Polycarbonat "verbrennt" bzw. verfärbt

  • Hallo liebe Leutz bei den Kunststoffspritzern,
    hab ein komisches Problem mit Polycarbonat.
    Wir haben eine neue Boy35A bekommen und haben immer wieder das Problem, dass bei Polycarbonatteilen auf
    dieser Maschine die Teile mit Gelb bis teilweise braunverfärbung rauskommen.
    Dieser Effekt tritt nur auf dieser Maschine auf......(Haben das Problem bei keiner anderen Maschine)
    Material ist ein Lexan 121R (Alternative haben wir schon andere PC`s getestet....aber immer wieder sporadisch das gleiche Problem)
    Aggregat auseinandergenommen, um zu checken, ob nicht ein Produktionsfehler beim Aggregat vorliegt, aber alles i.O.
    An was könnte das noch liegen?
    Der Fehler kommt sporadisch....kann sein das man 5 Tage durchspritzt und dann wieder paar Schuss Gelb bis Braun verfärbt rauskommen.
    Versuche mit Zylindertemperaturen brachten keine Verbesserung.
    Maschine senkt bei Störung auf 160°C ab...wie man es bei PC auch machen soll.
    (Leider können wir die Tatsächlichen Zonentemperaturen prüfen, da wir kein geeignetes Messgerät besitzen)
    Vielleicht habt ihr noch eine Idee, was uns da einen Streich spielt

    mfG

    Michi

  • Sollte das Werkzeug einen Heßkanal haben, kann es auch sein. dass dieser überheizt.

    Ansonsten mal einen Spritzkuchen erzeugen und die Massetemperatur messen. Ggf. sind die Temperaturfühler nicht richtig montiert (nicht weit genug in den Zylinder geschraubt). Dann haben sie gelegentlich keinen Kontakt mit der Messfläche und die Heizungen ballern wild drauf los. Nach einiger Zeit ergibt sich dann ein Kontakt und das Ganze kühlt wieder ab.
    Oder Einzug zu heiß, weil die Kühlung versgt. Hier sammelt sich dann gelegentlich Material, dass dann vercrackt und irgend wann mit eingezogen wird.
    Oder Einzug zu kalt, sodass hier Ausgasungen kondensieren und gelegentlich wieder in die Maschine tropfen. Auch unregelmäßige Trocknung kann der Fall sein.

  • servus Luemmel

    Eine Ursache kann auch zu hoher Staudruck sein, dadurch entsteht im Dosiervorgang zu hohe Friktionswärme. Wenn der efekt auftritt heizen die Heizbänder deiner Maschine nicht mehr ( Zuführung des Stroms ist auf 0 % ).

    Das hatten wir auch schon mal bei einer einstellung eines Einrichters gehabt, da wurde soviel energie beim dosieren erzeugt, das die heizbänder keinen strom aufgenommen haben, sprich alle auf 0 % geheizt haben, auser Düse, daraus ergiebt sich das die masse auf jeden fall über der eingestellten temperatur lag von den Heizzungen was schädigungen zur folge hatte.

    Überprüf das mal, Heizungen sollten im regelfall mit 6 bis 10 % heizen, der rest wird über Friktionswärme erzeugt.

    Dadurch hast du an der wand oder schnecke manchmal geschädigtes material.

    mfg

  • Danke für die Tipps,
    also ich kann folgendes ausschließen:
    1. Staudruck
    Grund: Versuche mit weniger brachten keine Verbesserung (haben Akutell 80 Bar, bei gleichen Artikel auf anderen SGM 100 Bar, dort aber keine Anzeichen von Verbrennung)
    2. Werkzeugtechnik
    Grund: Auf jeder anderen SGM keine Probleme und ist Kaltkanal mit (ist ech Ausnahme bei uns :winking_face: ) schönen Radien....alles optimal ausgelegt.

    Temperaturfühlersitz wäre ok, hab die Bohrungen gereinigt, Wärmeleitpaste reingemacht und wieder schön auf Bohrungsgrund aufliegen lassen.
    Kann die einzelnen Zonen halt leider nicht mit externen Messgerät prüfen.

    Eventuell haben wir den Fehler aber doch im Aggregat gefunden..nämlich bei der Schneckspitze.
    Als wir diese demontierten, kam uns ein typischer PPS geruch entgegen (Haben Artikel aus PPS Ryton auf dieser SGM)....und
    das Gewinde der Spitze war "gewölbt", in der Mitte des Gewindes verengte sich quasi der Durchmesser....wir gehen davon aus,
    das die Spitze bei Auslieferung nicht 100%ig auf Schnecke war und sich eventuell deshalb Kunststoff (PPS) dort einlagern konnte.
    Ein kleiner Spalt würde ja schon ausreichen, dass sich immer wieder Kunststoffreste ansammeln und "Verbrennen".
    Mal schauen ob der Fehler jetzt nach dieser Wartungsmaßnahme nochmal auftritt.
    Ich werde mich auf jedenfall melden, um das Ergebnis mitzuteilen.
    Kann aber dauern, weil der Fehler ja schon immer sporadisch aufgetretten ist.

    Danke euch und mfG

    da Michl

  • Klar, man geht ja davon aus, dass bei einer neuen Maschine alles " in good order and right condition" ist. Durch den Druck (Einspritz- und Nachdruck) kann natürlich bei einer nicht gut angezogenen Schneckenspitze immer wieder Material in das Gewinde gedrückt werden. Das vercrackt dadrin und bei einer Druckentlastung kommt dann mal was Braunes mit raus, unregelmäßig.
    Deswegen steht in den Bedienungsanleitungen meistens auch, dass bei einer neuen Maschine alle Schrauben noch mal nachgezogen werden sollen. Aber wer macht das? Wie lange will man dann dabei verbringen und warten bis man auf Produktion gehen kann?

  • Also im Moment bauen wir alles wieder zusammen,
    dann müssen wir das Aggregt wieder ausrichten.....denke so am späten Nachmittag müsste alles
    wieder einsatzbereit sein.
    Ich war schon oft dabei, als neue SGM`s kamen, aber wir haben noch nie was nachziehen müssen....glaube das
    kommt in anderen Betrieben auch nicht vor.
    Eigentlich müsste sich die Schneckspitze ja "selber festziehen", weil die hat ja ein Linksgewinde.
    Bin gespannt, ob wir jetzt damit das Problem gelöst haben.

  • Also,
    selbst nach der Aktion mit kmplt. Aggregatinspektion ist der Fehler wieder aufgetreten.
    SGM lief schon ca.10h ...und auf einmal wieder so ein "brauner" bzw. verbrennter Schuss (Teile mit braune Schlieren)
    Beim Start hatten wir probleme mit schwarzen Schlieren, die aber aufgrund des vorherigen Art.rückzuschließen sind. (Ultradur 10014 schwarz)
    Nach nochmaligen reinigen mit Reinigungsgranlat gings 10 h gut...und wie oben schon gesagt...dann wieder braune Teile.
    Nur auf dieser Maschine ist dieses Problem.....auf den anderen brauch ich nicht mal Reinigungsgranulat...weil da nehm ich das PC direkt....das
    Reinigt hervorragend.....
    Ich glaub ja eh nicht, dass es sich um Fremdmaterial handelt...sonder das es eventuell am Farbzusatz liegt.
    Hab unten nicht erwähnt, dass wir einen "opalino" Zusatz hineingeben --> für Lichtstreuung. (mit Kochfarbdosiergerät)
    Haben immer nur Versuche mit Hauptmat. gemacht.....diese Farbe ist aber extra für PC.....dürfte keine Probleme machen, zumal es ja nur
    auf dieser Maschine zu den Problemen kommt.
    Wie kann man denn testen, ob der Zusatz Schuld ist? --> Analyse im Labor?

    mfG

  • Hallo Luemmel,

    kannst du evtl. ein Bild machen, ob wir hier von den gleichen braunen Schlieren sprechen. Du brauchst ja nicht den kompletten Artikel ablichten, nur halt die Fehlerstelle. Dann kannst du das in der Galerie ablegen (das sieht keiner, der hier nicht angemeldet ist).

  • ÄäääH meinst du die schwarzen Schlieren unter dem Ä und über dem Ü??? :smiling_face: :smiling_face:
    Neee.
    Den Lichtstreuer, verwendet ihr den als Pulver oder als Batch? Bei Pulver oder großem Staubanteil kann sich ein gewisser Anteil im Einzugsbereich und "vor" dem Einzug (besonders rechts, wo gar kein Schneckengang mehr ist) anlagern. Das wird dann irgend wann gelöst und plötzlich eingezogen. Da das Zeugs hier schon thermisch und mechanisch längere Zeit belastet wurde, sind das braune Bestandteile.
    Auch uns als Kunststoffhersteller ist dieses sporadische und ärgerliche Problem bekannt. Deshalb verkaufen wir das PC mit Lichtstreueffekt auch nur noch als fertige Einfärbung.

  • Also der Zusatz ist als Batch vorhanden.
    Zudosiert werden 3,0%....Haben bei Musterungen und Musterserien auch schon bis 10,0% verwendet.
    Das Batch ist relativ Staubfrei und man muss ja dazu sagen, dass wir auf den anderen SGM`s die gleiche Materialmischung benutzen
    (Lexan 121R + 3,0% weiss opal) und dort dieses komische Problem nie auftritt.
    Diese Mischung bekamen wir bis vor kurzen auch noch fertig eingefärbt, jedoch "nur gemischt" nicht richtig hineincompoundiert.
    Sprich.......die Farbkörner waren einfach mit einem glaskaren PC vermischt..., deshalb haben wir dann gesagt, wir färben es gleich selbst ein.
    Damals gabs das Problem übrigens auch schon.....als fertige Mischung.
    Unsere Boy35A ist jetzt dann 1 Jahr alt....ich denke, aufgrund der noch extrem guten Schnecke, Rückstromsperre und Zylinder, wird das
    Material einen Hauch besser "geschert", als bei den anderen SGM`s, vielleicht ist das eine Gratwanderung.
    Staudruckversuche brachten zwar keinen Erfolg, aber wenn beim Dosieren das Material über die Stege der Schnecke schert, hab ich mit Staudruck
    im hinteren Schneckenbereich ja eher wenig Einfluss...halt dann vorn bei der Kompressionszone.
    Dosiergeschwindigkeit bewegt sich im normalen 0,2 m/min Bereich...langsamer verlängert meinen Zyklus.
    Wenn wir einen Alternativfarbzusatz hätten, dann könnten wir wenigstens mal was testen, aber es hat eh lange
    gedauert, bis wir auf das jetztig Batch die Freigabe vom Kunden bekamen. (Lichtquelle "LED" darf nicht lokalisiert werden können, wenn
    diese das Teil anleuchtet)
    Ganz am Anfang hatten wir ein Material namens Panlite L1225L (war TOP, aber viel zu teuer und aufwändig zu bekommen, musste in Malaysia bestellt werden)

  • Problem mit Farbzusatz kann man gleich ausschließen.
    Hab Ermittelt, dass wo ich im Urlaub war, Teile aus Lexan 121R Glasklar gemacht wurden und diese
    die gleichen "Schlieren" sporadisch aufwiesen, als die anderen Teile mit dem Opalinozusatz.
    Wir werden Teile zu Boy schicken, weil wir sonst nie dem Ursprung finden.

  • Ja, irgend wie hört sich das ganz so an, als wenn im Zylinder ein Riss oder Lunker ist, der selbst im zerlegten Zustand nicht sichtbar ist. So etwas kann ein Fehler vom Härten oder Beschichten sein. Vielleicht sollte man bei Boy anregen eine neue Zylindergarnitur zur Verfügung zu stellen. Ist der Fehler dann verschwunden, ist der Übeltäter gefunden. Wie du in der PN schreibst, hat ja noch zumindest ein anderer Boy-Kunde ein ähnliches Problem. Vielleicht ist da eine Serie Zylinder oder Schnecken schlecht behandelt worden.
    Wir haben mal einen Zylinder aufarbeiten lassen. Dabei wurde der verschlissene Teil im Bereich der Bewegung der Rückstromsperre ausgebohrt und ausgebuchst. Laut Recyclingbetrieb durchaus üblich und problemlos durchführbar. Nur dass wir danach das selbe Problem hatten wie ihr - unabhängig vom Material. Die Fügenaht zwischen dem Bereich alter Zylinder und Buchse hat also immer geatmet. Das haben wir also nie wieder machen lassen. Ich glaube zwar nicht, dass Boy mit einem geteilten Zylinder arbeitet, . . . aber irgendwas ist da.

  • Da sind wir dann doch wieder bei´m Zylinder gelandet. Man sollte sich nicht auf neue Dinge festschiessen. Die sogenanten Montagsmaschienen werden nie aussterben. Auch Engel und KM hatten schon Problemserien mit ihren Garnituren. Wenn Boy sich die Sachen vielleicht vom Zulieferer beschafft.........

  • Nur so eine Idee ...

    Die Schnecken werden nach der Fertigung einer Wärmebehandlung unterzogen (Härten, ggf. Beschichten).
    Dabei können sie sich etwas verziehen und müssen gerade gerichtet werden - ist nichts unübliches - man
    kann das häufig an Flecken auf einer neuen Scnecke erkennen, die von einem Gasbrenner stammen. Wie
    gesagt, das ist üblich so. Wenn nun aber die Schnecke einen leichten Schlag hat, reibt sie beim Dosieren
    an der Zylinderinnenwand und kann so eine Überhitzung des Materials verursachen.

    Achte einfach mal auf die Zylinderheizungen ... ist da eine dabei, die immer Übertemperatur anzeigt?

    Andere Idee ...

    Wenn der Fehler nur sporadisch auftritt ... schau Dir mal die Dosierzeiten an. Könnte auch ein Problem
    des Materialeinzugs sein.

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