Neugründung mit gebraucht Maschinen

  • Hallo K-Fachleute,

    ich plane eine Neugründung und habe folgende Fragen :confused_face: :

    1. Worauf sollte man beim Kauf einer gebrauchten SGM (Arburg oder KM) besonderes achten ? Welche Informationen/Daten sollte man unbedingt kennen? Unabhängig vom herzustellenden Formteil, rein Maschinentechnisch!

    2. Wenn Du eine neue Produktion planst, gehst Du von der Maschine oder vom Formteil und Material (WKZ) aus? Es geht hier um die Reihenfolge der Auswahl. D.h. würde man zuerst eine gute Maschine kaufen und darauf die Produktion dann planen, oder würde man fragen welche Maschine muss ich wählen, damit ich dieses Produkt spritzgiessen kann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man für jeden Formteil eine andere Maschine braucht. Wie sieht hier die Praxis aus.

    3. Wie sollte ich meine gebr. Maschine wählen, wenn ich nicht sicher bin, ob ich das geplante Produkt weiterherstellen will bzw kann, also für den Fall, dass ich für die Eventuallität der produktion eines anderen Produktes mit anderem Material Vorsorge tragen will?

    4. Kann man mit einer und derselben Maschine PS, PP, PE, PA, PC bearbeiten? Ich weiss zum Beispiel, dass PA eine verschleissgeschützte Einspritzeinheit , und PC bestimmten Einspritzdruck braucht. Also diese Frage kann man so umformulieren, ist es möglich eine quasi universal (bezogen auf das bearbeitungsmaterial) SGM zu finden? Ich sage quasi, weil ich weiss, dass es die "Universal SGM" nicht gibt!

    5. Würdest Du Arburg oder KM gebr. Maschine nehmen? Ab welchem Baujahr? Bitte kurz Begründen, damit ich das verstehen kann!

    Besten Dank im voraus für euere hilfreiche Beiträge! :smiling_face:

  • Leider muss man es hier auf die harte Tour sagen:
    Die Fragestellungen zeigen, dass hier jemand, ohne ein Quäntchen Ahnung von der Materie, etwas anfangen will. Unter diesen Bedingungen ist das definitiv zum Scheitern verurteilt. Denn es wird nicht beim Kauf einer Maschine bleiben, denn es kommt das Aufstellen, das Einrichten, die Reparaturen, das Wissen um die Polymere und deren Ausrüstung, sowie das Wissen um die Herstellung einer geforderten Qualität dazu. Von der Prepherie habe ich noch gar nicht gesprochen. (Werkzeugtemperierung, Maschinenkühlung, Materialtrocknung und Zuführung etc.) Willst du dir diese Leute alle einkaufen?

    1.) Die Größe und Ausstattung einer Maschine richtet sich nach dem Werkzeug und dessen Anforderungen.
    2.) Der Hersteller von Maschinen richtet sich ebenfalls nach den Verarbeitungswerkzeugen und dessen Anforderungen. Aber auch nach den eigenen Vorlieben.
    3.) Generell sind auf einer Standardmaschine fast alle Polymere verarbeitbar. Nur für einige Produkte wird man eine andere Zylindergarnitur brauchen (LSR, Kautschuk).
    4.) Eine besonders verschleißgeschützte Garnitur wird eigentlich nur für hohe Zykluszahlen und besonders abrasive Kunststoffe benötigt (Glasfaser, Mineral). Sie schadet aber nicht bei anderen Kunststoffen (Kostenfaktor). Allerdings lassen sich einige Kunststoffe nicht mit allen Verschleißschutzen verarbeiten, weil sie evtl. eine "innige Verbindung" miteinander eingehen. (PVC und ARBID-Verschleißschutz).
    5.) Braucht ein Werkzeug Kernzugantriebe, muss die Maschine dazu fähig sein. Nachrüsten ist oft nicht möglich, da auch die Software entsprechend vorbereitet sein muß.
    6.) Es gibt Werkzeuge, die ausschließlich mit Handling arbeiten können.
    7.) Wo ist der Einspritzpunkt bei den betreffenden Werkzeugen? Zentral durch die feste Aufspannplatte, Trennebene (von oben, von hinten), Heißkanal (Steuergeräte notwendig), Einlegeteile (Schließeinheit evtl. vertikal), 2K = 2 Spritzeinheiten und noch einiges mehr.
    8.) Wie viel Kühlwasser braucht die Maschine? Wo bekomme ich das her? Stimmt die Qualität? Leitungswasser (Trinkwasser muß nicht unbedingt das Beste sein!)

    Die erforderliche Schließkraft einer Maschine richtet sich hauptsächlich nach der projizierten Fläche des Spritzteiles in der Trennebene. Die Größe des Spritzaggretates richtet sich nach dem benötigten Spritzteilvolumen, dem benötigten Spritzdruck und der benötigten Einspritzgeschwindigkeit. Eine Lohnspritzerei müsste eigentlich Maschinen haben, die immer eine Nummer größer sind als gerade gebraucht. Also: wo willst du anfangen.
    Beispiel:
    Eine Maschine mit einer Zuhaltekraft von 500kN kann sinnvoll maximal ein Spritzteil mit einer projizierten Fläche des Spritzteils in der Trennebene von 100x100mm erzeugen. Dann geht das Werkzeug durch den benötigten Spritzduck auf. Nun habe ich ein Teil, das nur 90x90mm groß ist und soll es aus PA6 GF60 herstellen. Die Kraft von 500kN wird nicht reichen.

    Ich würde sagen, du engagierst erstmal einen Fachmann mit dem du auch weiterhin zusammenarbeiten willst. Denn hier reicht ein gefährliches Halbgrundwissen, das durch ein Forum mit ein paar Posts erworben wurde nicht aus. DAS IST EIN LEHRBERUF. Aber das Thema hatten wir hier auch schon ein paar mal.

  • Hallo Petersj,

    ich danke Dir für die wertvolle Informationen. Dass ich keine grosse Ahnung von der Materie habe, habe ich ja auch nicht verheimlicht und ist auch keine Schande! Deswegen frage ich hier solche Experten wie euch! Ein "Quäntchen Ahnung von der Materie" habe ich doch sonst hätte ich die Fragen ja nicht stellen können, oder :face_with_tongue: ? Ich will mich an die Materie herantasten, und ich bin auch davon überzeugt, dass ich ein Fachmann engagieren muss, wenn ich Erfolgreich sein will. Aber ich will auch selbst zumindest die grundlegende Vorgehensweise und Technik verstehen. Und es geht mir nicht um die Grundlagen, die in lehrbücher stehen sondern um die Praxis Grundlagen und um praktische Vorgehensweisen, gerade am Amfang. Ich habe ein Paar schlaue Bücher, aber in Büchern steht bekanntlich nicht alles was man in der Praxis braucht. Berechnung und Einstellung von Zuhaltekraft und solche Mimik, dass ist ja kein Problem , denn das steht in jedem schlauen Buch. Ich will die sukzessive Vorgehensweise in der Praxis ( nicht technische details) verstehen, wenn man neu anfängt. Kannst Du mir sagen, wie Du vorgehen würdest, wenn Du eine Neugründung starten willst, und Aufwand auf das notwendige Minimum reduzieren willst? Produkt: (1)Technische Installation Teile aus PA, wie zum Beispiel Reihenklemmen (2) Dübel , Nagelschellen, Kabelbinder aus .... (Material?)

    Apropos Kühlwasser in allen Büchern steht was von der Berchnung der Kühlzeit und soweiter, aber es steht nicht wie das Kühlsystem praktisch ausgeführt wird. Wie sieht das Kühlsystem in der Praxis aus? Ich haben diese Vorstellung: ein Kühler, ein Temperiergerät und ein Wasserreservior mit ausreichender Wassermenge, und das bildet ein geschlossener Kühlwasserkreislauf, ist das so?

    Hallo Kuka,

    ich habe noch gar nichts, ich bin erst in der Planungsphase und deswegen meine Fragen. Ich will nichts implementieren bevor ich die notwendige Informationen und Wissen habe. Ich habe aber bestimmte Formteile im Kopf , die ich produzieren will und habe Kontakt mit einem WZ Hersteller und werde ihn um ein Angebot bitten.

  • hy santas,

    versuchen wir mal eins nach dem anderen zu lösen, alle punkte auf einmal wäre zu aufwendig und zu umfangreich, zu jedem teilgebiet gibt es sehr viel zu beachten.

    fangen wir mal mit deiner letzten frage an:

    Es gibt in der regel zwei kreisläufe, einer davon beliefert die Form, dazu gehört die ganze peripherie, wie Wassergeräte und sonstiges, ich nenne ihn mal den Maschinen Kreislauf. Der kreislauf geht in der Regel von der an der Maschine vorhandenen Wasserbaterie ab.

    Der ander Kreislauf ist der große, mit dem werden deine ganzen Maschinen versorgt, ich nenne ihn mal den Hauptkreislauf. Dieser versorgt wie gesagt deine ganzen maschinen wie wasserbatterie, ölkühler und sonstiges.

    Der braucht auf jeden fall eine Kühlanlage, die deinen Anforderungen dementsprechend groß ausgelegt ist, an dem sind auch deine wasserbehälter und entsalzungsanlagen, wärmetauscher angeschlossen, der soll eine bestimmte vorlauftemperatur zur maschinenversorgung gewährleisen. mfg

    nächster punkt ist die grundausstatung:

    Das ein Kernzugprogramm in der maschine ist, oder schon instaliert wurde, ist auf jeden fall von Vorteil, wie viele es beinhalten soll, ob 2 oder 4 bleibt deinen Anforderungen überlassen. Eine arburg bei uns hat von beginn an schon 4 Kernzüge die andere 2 kerzüge als grundausstattung.

    Willst du formen mit HK in dein programm mit aufnehmen, ist es von vorteil einen 12 fach schon in der maschine zu haben. Ist aber keine Grundbedingung, den Beistellgeräte und Hersteller für solche Regelgeräte gibt es wie Sand am Meer.

    nächster punkt deine Zylindergarnitur: In den meißten fällen reicht eine verschleißfeste Garnitur aus, mit dieser kannst du die meißten Materialien im Thermoplastbereich abdecken.

    für duro oder elasto und den anderen materialien, die eine andere garnitur brauchen, mußt du dir überlegen ob du eine anschaffen möchtest, kommt darauf an wie oft du diese dann wirklich brauchst, oder einzusetzen gedenkst. Oder gleich eine gebraucht maschine ins auge fassen die schon damit bestückt ist.

    Edited 2 times, last by Hummel (December 18, 2010 at 9:40 AM).

  • Erst einmal sollte er sich über die Produkte klar sein die er fertigen möchte. Dann wie gross er werden will.Wenn das geplant ist, kann er sich um die Grösse und Anzahl der Maschinen kümmern. Danach kann er gezielt fragen bei Fachspezifischen Unternehemen stellen die Trockner, Kühlanlagen etc vertreiben. Mit den Informationen kann er sich dann auf die Suche nach gebrauchten oder neuen Techniken machen.
    Auch kann er sich Angebote bei Maschinenherstellern einholen und sich beraten lassen, welche Austattungsmerkmale die Maschinen für seine Produkte haben sollten.(Ob er nun neue kauft ist ihm überlassen. Wenn die Sache dann ins rollen kommt, wird er merken was noch fehlt. Und dann beginnt ganz pö apö der Aufbau seines Unternehmens. Das was unsere Chefs schon seite Jahren machen. Auch die haben irgendwann mal angefangen. Übrigens hat Nixdorf in einer Garage angefangen und Teilweise die Schützenhalle eines kleinen Ortes angemietet. Jetzt ist es Wyncor Nixdorf und ein riesen Klotz. Phönix Contact hat auch nur mit einer Handvoll angefangen.Letztes Jahr haben sie 1 Milliarde Umsatz erzielt.

  • Hallo Hummel und Uziel,

    Besten Dank für die construktive und postive Beiträge. Uziel Deine positive Denkweise gefällt mir sehr, es entspricht auch meiner Denkweise!

    Eine Frage, wenn Patent auf ein Produkt gemeldet ist, müste es eigentlich darauf angegeben sein, oder?

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