Hallo - Spritzgiessen in Afrika

  • Hallo allerseits,

    Nachdem ich das Forum nun schon seit kurzem ein wenig nach Interessantem durchforste und mich vorhin angemeldet habe, moechte mich ganz kurz vorstellen - Dies, weil ich sicherlich eine ganz interessante Geschichte habe und es bestimmt ab und an seltsam aussehen wird, wenn ich mich zu Wort melden werde.

    Ich bin vor kurzem aus dem mittlerweile saukalten und verschneiten Deutschland in das ungleich waermere Suedafrika gezogen, genauergesagt nach Kapstadt an den Tafelberg. Job hab ich recht schnell gefunden. Allerdings nicht ganz das, was ich vorher gemacht habe, aber wenigstens ist nicht alles unbekannt.

    Bin ein doch recht praktisch begabter Mensch, der gerne bastelt, aus dem Bereich Spritzguss- und Montageautomation kommt und in den letzten Jahren technisches Projektmanagement fuer groessere Projekte gemacht hat. Produkte waren immer Baugruppen oder Fertigprodukte, die eine hohe Praezision in Bezug auf Toleranz, Optik, Haptik verlangt haben – logischerweise dann auch immer hochwertig.

    Mein kleines Wissen uebers Spritzgiessen habe ich leider nie „richtig“ an der Maschine lernen duerfen, sondern nur durch zuhoeren, Projektkontakte, eigenes Interesse erhalten. Zu deutsch: ich habe mich immer auf mein Gespuer in Verbindung mit dem know-how der Kollegen aus Konstruktion, Werkzeugbau, Automatisierung (na gut, die kenn ich...), Spritzerei, QA, QS verlassen koennen, habe nur an der Oberflaeche an der Kunststofftechnik „geschnuppert“. Mit gesundem Menschenverstand und Technikverstaendnis geht das dann bestens – wie heisst es so schoen: „man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo’s steht, bzw. wer einem weiterhelfen kann“.

    Nun bin ich in Afrika im Bereich Packaging angekommen: Spritzguss fuer alle moeglichen Behaelter, wuerde sagen so bis 0,5l Inhalt. Blasformen von Behaeltern und Flaschen bis ca. 1l Inhalt. Hauptsaechlich PP, LDPE, HDPE. Insbesondere die hier verwendeten Materialien sind was neues, aber auch das neue Land hat es in sich. Es stimmt schon: Suedafrika hat viel internationales, europaeisches, aber auch die Prise afrikanisches Chaos. Hier ist es nun nicht mehr so, dass es fuer alles einen Experten gibt. Es gibt eigentlich nur Generalisten, und eben da liegt der Hund begraben, denn zu wenige wissen wirklich genau Bescheid...

    Werde mich spaeter noch mit meiner Aufgabe zu Wort melden, bevor die Fragerei losgeht.

    Aber vorher erstmal ein herzliches „DANKE“, dass es dieses Forum und Euch gibt. Habe schon einige kleine Themen sehr gut brauchen koennen...

    Wuensche Frohe Weihnachten – die ich dieses Jahr erstmalig in kurzer Hose bei vermutlich ueber 30 Grad am Grill (hier sagt man „braai“) verbringen werde... :thumbs_up:

    Tot later,

    tafelberger

  • Hallo miteinander,

    nein, ich hatte nicht bis jetzt Urlaub. Vielmehr bin ich in unserer Fertigung rumgewuselt, habe mal den Weg von Werkzeugen in den Werkzeugbau verfolgt und mir mit diversen Buechern aus D das Leben versuesst (zB die Serie 1000 Tipps zum Spritzgiessen, diverse Qualitaetskontrollebuecher und noch so ein ganz dickes, leider den Titel vergessen - nee, hier isser: Optimierung von Spritzgießprozessen).

    Ist schon interessant, was man da alles so zu lesen bekommt - es beschleicht mich mittlerweile ein ungutes Gefuehl, dass es hier doch eine Menge Verbesserungspotential gibt, was natuerlich gleichzeitig gut ist, zeigt es einem selebr doch am Ende vom Tag, dass man was geschafft hat.

    Muss nur aufpassen, dass ich nicht der deutsche Klugsch...waetzer werde und auf eine Mauer des Schweigens und "nicht Wollens" stosse. Und dann kommt ja noch der Punkt dazu, dass es bekanntlich bei jedem Prozess die beruehmten Ausnahmen gibt, die man nur mit Erfahrung kennt - und genau die hab ich nicht. Kann auch ganz doll ins Auge gehen.

    Na ja, werde das Kind schon schaukeln, auch wenn mit das Wissen fehlt - habe uebrigens schon jede Menge hier aus dem Forum.

    Meine Aufgabe ist die Verbesserung aller moeglichen Prozesse mit deutscher Gruendlichkeit, wenn ich mich so grob ausdruecken darf. Anfangen wird das alles mit einer kleinen, zusammengehoerigen Gruppe SGMs und WZ als „Musterfertigung“ - ich versuche das mir vorschwebende mal so zu beschreiben (natuerlich wird das langsam Schritt fuer Schritt so laufen, nicht alles auf einmal, daher auch erstmal die definierte Gruppe, bevor man Verbesserungen auf den Rest der Fertigung auszuweiten versucht) :

    Ordnung um die Maschinen (regelmaessige Reinigung, Oellecks abstellen, etc.)

    CMk-Ermittlung (will wissen, ob die Maschinen ueberhautp noch faehig sind - sind zT alte, fuer D Verhaeltnisse selten gewartete SGM aus den 80ern, 90ern, bis zu Dezember 2010)

    sauberer Parameterermittlung (scheint bisher eher pi-mal-Daumen zu laufen, Tabellen, Diagramme oder auch mal was ausrechnen gibts scheinbar nicht. Werkzeugkuehlung is tdigital = volle Pulle; HK ist bei 300 Grad; Zone eins geht auch schon mal mit 260 Grad los; Materialdatenblaetter: ich hab mal eins runtergeladen)

    Parameterdokumentation (O-Ton: „das haben wir alles im Kopf“)

    Werkzeugqualifizierung vor Inbetriebnahme mit u.a. CPk-Ermittlung

    QS mit statistischer Ueberwachung (Messmitteleignung; Auswertung mit Trend - bisher wurde nur festgestellt, dass wir in Spec sind – irgendwann aber draussen. Spezifikationen sind auch eher spaerlich: dass man sich Dimensionen rauspicken sollte, Stichworte "Funktionsmasse", "formgebunden" vs. ueber Formtrennung/Schieber, ist auch unbekannt)

    Ruestzeitoptimierung (produzieren sehr oft nur kleine Mengen, wechseln demnach oft Farbe, WZ)

    Einfaerben mit Masterbatch / Pigmenten (Wareneingangsueberpruefung; Einfluesse des Spritzgiessprozesses fuer eine homogene Mischung)


    Sicherlich noch jede Menge mehr. Ich weiss allerdings oft nicht so ganz, wo ich anfangen soll, weils einfach so ein riesiges Gebiet ist.

    Ist denn einer bei Euch dabei, der sich mit PP fuer Verpackungsindustrie (zB Schraubverschluesse, Cremedosen) gut auskennt und mir ein paar grundlegende Tips geben kann? Werkzeuge haben idR nur 4 Kavitaeten, da ja nur kleine Mengen - Konkurrenz duerften wir keine sein, da ja weit weg udn nur lokaler Markt.

    Wuerde mich freuen, da eine kleine Connection aufzubauen – biete: viele Frotzeleien uebers Wetter und bei Bedarf auch mal ne Stadtfuehrung oder Tips fuer Kapstadt und Western Cape... :smiling_face_with_sunglasses:


    Schoene Gruesse,

    tafelberger

  • So, es ist soweit: die Maschinen werden umgestellt und ich krieg meine Ecke fuer Versuche.

    Hatte ja schon geschrieben, dass ich hier in Suedafrika bin und als nicht-Spritzgiesser hier die Produktion optimieren soll. Habe zwar schon viel mit Spritzguss zu tun gehabt, aber im Allgemeinen nicht in der Tiefe, dass ich es mir zugetraut haette, eine Maschine einzustellen (zumindest das wirklich zu durchblicken).

    Nun ist es hier aber so, dass viele Leute hier weder was richtiges gelernt haben, noch jemals gelernt haben, wie man lernt. Sie werden in der Regel angelernt, verstehen dan, was sie tun sollen, aber nicht warum. Da habe ich den Vorteil, dass ich mit guter deutscher Ausbildung wenigstens die Grundlagen habe (systematisches Arbeiten) und den Rest lernen kann. Zwar nicht der beste Weg, aber wenigstens ists interessant.

    Nun bin ich dabei, mir fuer Produktionsoptimierung eine "Spritzerei in der Spritzerei" aufzubauen. 4 Maschinen unterschiedlicher Groesse und Baujahre, die unsere Fertigung widerspiegeln (Arburg: 35t von '88, 35t von '92, 75t von '88, 100t von '01). Hier wollen wir versuchen, ein wenig Systematik in den kompletten Fertigungsprozess von WZ-Konstruktion ueber WZ-Bau, QA, Spritzerei bis QC zu bringen.

    Die erste Frage dazu steht nun schon im Forum unter Maschinen Please login to see this link. . Bin gespannt, ob mir da jemand helfen kann...

    Gruesse,

    tafelberger

  • Sind die 35 tons Maschinen noch Kniehebelmaschinen mit Polytron ICA - Steuerung? Da gibts für die Steuerung z.B. keine elektronischen Ersatzteile mehr.

    Die Naherungsschalter bei nockengesteuerten Maschinen ermüden übrigends mit der Zeit - die Maschine fängt an von den ursprünglichen Schaltpunkten abzuweichen. Fällt erst auf, wenn die dokumentierten Parameter nicht mehr eingehalten werden können.

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