Maschinentest fuer Reproduzierbarkeit / Tauglichkeit

  • Hallo,

    Wie versprochen hier nun meine erste konkrete Frage: Maschinentest fuer Reproduzierbarkeit / Tauglichkeit

    Kann mir jemand sagen, was man alles ausprobieren sollte, wenn eine Maschine doch recht misshandelt wurde, es iO war, wenn das Ding vor sich hin rumpelte ("geht doch auch so" - keine Ahnung, ob ihr mal die Wracks unter den Autos hier gesehen habt: dem TUEV wuerden die Traenen kommen), Wartung eher dann durchgefuehrt wurde, wenn was kaputt war, und auch dann nur dafuer...

    Ich suche nach konkreten Vorschlaegen, was die Maschine alles koennen muss und wie man sicherstellen kann, dass sie das auch bringt.

    Nochmal zur Erinnerung: Wir fertigen Verpackungstechnik (Dosen, Schraub- und Schnappverschluesse aus PP. Also kein Hightech, sondern eher robost...

    Danke und Gruesse,

    tafelberger

  • Hallo Tafelberger.
    Na, bei ner alten vergurkten Maschine wird das nicht einfach werden. Grundsätzlich muss erst mal die allgemeine Funktion (wieder) hergestellt werden.
    1.) Plattenparallelität prüfen und ggf. wieder herstellen (lassen).
    2.) Hydraulikdrücke messen. Ggf. Pumpe(n) reparieren bzw. erneuern, Ventile auf innere Lecks prüfen und ggf. tauschen, Drücke kalibrieren. Teilweise (zumindest bei Arburg kann man das), wenn man weiß wie und wenn die Messgeräte vorhanden sind, selber machen. Sonst gehts nur mit einem Monteur.
    3.) Zylinder, Düse, Rückstromsperre und Schnecke prüfen auf Verschleiß. ggf. Austauschen oder aufarbeiten lassen.
    4.)Sämtliche Thermofühler und Regler kalibrieren
    5.) Maßhaltigkeit der Werkzeuge prüfen

    Wenn man damit durch ist und alles in"good order and wright condition" ist, kann man die Grundlage für eine dauerhafte Prozessfähigkeitsprüfung schaffen.
    Als Beispiel:
    Wir sind eine Produktionskontrolle und prüfen die von uns hergestellten Compounds. Dafür haben wir Werkzeuge mit denen ausschließlich Prüfkörper hergestellt werden. Seit vielen Jahren beteiligen wir uns an sogenannten Rundversuchen (Round-Robin-Tests) u.a. der Firma Bayer und Lanxess. Dazu kriegen wir von denen über viele Jahre schon ein bestimmtes Produkt in Granulatform aus dem wir dann unter, von denen festgelegten Rahmenparametern (Temperaturen, Drücken, Geschwindigkeiten, Zeiten etc) bestimmte Probekörper herstellen. Jede Woche wieder neu. Diese Probekörper werden dann von uns geprüft und wir müssen bestimmte mechanische Werte (IZOD-Kerbschlagzähigkeit) mit gewissen Toleranzen erreichen. An diesen Tests beteiligen sich übrigens viele Firmen. Da die eingesetzten Parametersätze in unserem eigenen Sinne nicht geändert werden dürfen, müssten wir also bei einer konstant guten Maschine immer die gleichen mech. Werte erreichen. Die beim Spritzen produzierten Daten wie Werkzeuginnendruck, Fülldruck, Innendruck bei Umschaltung auf Nachdruck, Massepolster etc werden ebenfalls dokumentiert und archiviert. Wenn also hier irgendwo Abweichungen auftreten, wissen wir, dass entweder mit dem Material oder der Maschine was nicht stimmt. Entsprechend wird dann der Fehler gesucht. Die Maschine wird also in diesem Fall als Black box hingestellt und durch diese Versuche auf ihre Reproduktionsfähigkeit geprüft.
    Ähnliches kann man mit Sicherheit auch mit Produktionswerkzeugen gestalten. (Flaschenverschluss mit Filmscharnier so lange belasten, bis der Film reißt zum Beispiel). Man stellt sich also aus einem representativen Rückstellmuster (ggf. mehrere Tonnen Material) immer wieder in ganz kleinen Mengen (vielleicht 10 Schuß) die gleichen Teile, bei exakt gleichen Parametern her und testet diese. Ein konstant gutes Werkzeug (ebenfalls ständig vermessen) vorraus gesetzt, erkennt man sofort jede Abweichung.
    Wie oft man diese Prüfung durchführt (ein mal / Jahr oder Monat oder Woche) hängt von der Stabilität der Statistik ab. Sicherlich muss man zu Beginn sehr häufig prüfen, um Grundwerte zu erhalten. Später erkennt man an hand der Statistik, wie oft dann wirklich geprüft werden muss um Abweichungen rechtzeitig zu erkennen.
    Wir haben damit festgestellt, dass wir mit diesen Tests auf aufwändige jährliche Kalibrierungen verzichten können, da wir die Machinen praktisch wöchentlich mit diesem ca 30 Minuten dauernden Test fahren.

    Erstmal sollte sich dein Personal aber daran gewöhnen, dokumentierte und geprüfte Parameter zu verwenden. Dann ist schon eine Menge erreicht. Sie merken dann schnell selbst, wenn etwas mit der Maschine nicht stimmt. Und wenn sie ankommen und sagen: "Ich glaube mit der Maschine stimmt was nicht." mus s o f o r t jemand hin und nachschauen. Das schafft Vertrauen, weil die Leute sehen, dass sich jemand kümmert, wenn sie was bemerken (auch wenn eigentlich nichts los ist). Und sie müssen für dieses Verhalten belohnt werden durch Lob.

  • Hallo petersj,

    danke fuer die schnelle Antwort.

    Ja, dass man erstmal anfangen sollte, die Leute an Dokumentation und im selben/naechsten Schritt an die statistische Prozesskontrolle heranzufuehren, ist genau mein Gedanke. Daher moechte ich das Grundgeruest des Projektes aus Richtung der QC aufziehen - frei nach dem Motto: "was produzieren wir eigentlich aus Sicht der Qualitaet?".

    Aber damit wird vermutlich auch gleich einhergehen, dass die Qualitaet schwankt. Und das aller Wahrscheinlichkeit nach weil die Maschinen starke Schwankungen haben (abgesehen davon, wenn ein WZ wieder draufkommt und wieder "frei Schnauze" eingestellt wird). Daher die Frage WAS und WIE man an der SGM ueberprueft...


    Anbei noch der Text, die du zu meiner kurzen Vorstellung geschrieben hattest (passt ja hier auch sehr gut):

    "

    Sind die 35 tons Maschinen noch Kniehebelmaschinen mit Polytron ICA - Steuerung? Da gibts für die Steuerung z.B. keine elektronischen Ersatzteile mehr.

    Die Naherungsschalter bei nockengesteuerten Maschinen ermüden übrigends mit der Zeit - die Maschine fängt an von den ursprünglichen Schaltpunkten abzuweichen. Fällt erst auf, wenn die dokumentierten Parameter nicht mehr eingehalten werden können.

    "

    Ja, natuerlich sind die 35t Kniehebel, und ja, natuerlich ist die Polytronica. Aber das mit den Ersatzteilen ist nicht so wild - die Leute hier sind Meister im improvisieren (nur ist der Grat zum "Ruuumms - laeuft doch..." halt recht schmal...

    Heisst das die Schaltpunkte wandern von Schuss zu Schuss oder sie wandern langsam in eine bestimmte Richtung und man kann "nachstellen"

    Noch kurz zur Info ueber die Maschinen, an denen wir alles moegliche ausprobieren werden, bevor entschieden wird, ob es fuer die gesamte Fertigung verwendet werden soll: alles Arburg, 35t von '88, 35t von '92, 75t von '88, 100t von '01

    Greez,

    tafelberger

  • Ich meite die Erfahrung gemacht zu haben, dass die Schalter "später" reagieren. Ich will aber nicht ausschließen, dass sie gelegentlich auch unterschiedlich schnell schalten. Aber schon meist später. Das fiel mir aber auch erst auf, als ich wegen eines Defektes mal neue einbauen musste : "Warum funktionieren die Parameter nicht mehr?"
    Um die ganzen Parameter für die Kollegen bei uns einigermaßen zu visualisieren habe ich mal entsprechende Karteikarten in Excel gebaut. Eine normale Liste hat auch in good old germany nicht funktioniert. Wenn ich die gleich wiederfinde, versuche ich die mal hinten an zu hängen. Ist vielleicht (nach entsprechender Änderung) für euch auch ganz brauchbar.

    So: Hab ich zwar gefunden, aber Dateien sind zu groß für dieses Forum. Wenn du interessiert bist bitte e-mail adresse per PN an mich schicken. Keine Sorge gibt keine Werbespams.

    Ja, das mit den Parametern nach eigenem Geschmack hatte ich bei uns auch (vor ca 20 Jahren). Als die Leute aber merkten, dass es sich mit fertigen Parametern einfacher arbeiten lässt, änderte sich deren persönliche Einstellung. Das ist inzwischen leider aber bei einigen so weit gediehen, dass sie sagen: Kein Programm - dann kann ich nicht spritzen. Programme entwickeln tun nur wenige - lieber die Arbeit liegen lassen. Allerdings mussten wir auch einigen Leuten mit Konsequenzen drohen, wenn sie nicht die Kartei benutzen. Und oft kommt man dann um soetwas nicht herrum (und muss sich von alten Kollegen im Zweifelsfall trennen).

  • Hallo petersj,
    danke fuer das Angebot mit der Datei - habe auch eine schoene Nachricht geschrieben, aber irgendwie konnte ich die nicht senden, es hiess, der Server sei down. Na ja, wohl die Verbindung von hier - wobei ich das immer nur bei diesem Forum (das erste mal bei der Anmeldung) hatte.

    Kannst du mir denn eine Nachricht mit deiner Adresse senden? Ich antworte dann per mail. Vielleicht geht das.

    Danke und Gruesse aus der Sonne :smiling_face_with_sunglasses:

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