Werkzeugentlueftung - Problemherleitung

  • Hallo allerseits,

    Ich tauche mal wieder in die Tiefen der Spritzgiesstechnik ein... und lerne jeden Tag ein wenig neues – recht spannend, das ganze.
    Zur Erinnerung: ich muss mir alles logisch herleiten, bin kein Spritzgiesser, die Kollegen hier „auch nicht“, um’s mal boese zu sagen – irgendjemand hier im Forum meinte mal: Spritzgiessen oder eher „Plastik kochen und in ne Form fuellen“ :winking_face:

    Wir hatten neulich ein 2-Kavitaeten-Werkzeug (PP, es handelt sich um eine Cremedose), das nicht richtig gefuellt hat, bzw. wenn die eine voll war, war die andere noch nicht voll. Hat man beide gefuellt, dann hatte die, die zuerst voll war, einen Grat.

    Habe dann eine Fuellstudie gemacht:
    - fuellen fast genau gleich bis etwa 70%
    - dann bleibt eine zureuck und fuellt nur unter „Gewalteinwirkung“ mit eben dem Grat bei der anderen
    - die fertigen Teile sehen bis auf den Grat identisch aus (meine: ich sehe keinen Unterschied, da unterschiedliche Fuellen liegt demnach nicht an der Formkontur)

    Ich habe mir dann folgendes gedacht:
    - der Heisskanal ist demnach gut ausbalanciert
    - da das erst passiert, wenn die Kavitaet sich zunehmend fuellt, kann das doch gut mit schlechter Entlueftung zusammenhaengen (Luft kann nicht raus, wird zusammengepresst, bis der Druck so gross ist, dass es eher die andere Kavitaet weiterfuellt; mit Gewalt laesst sich dann auch die andere fuellen, dafuer gibts dann halt nen Grat bei der schon vollen)

    Am Ende war es das auch: wir haben die Entlueftungsschliffe gereinigt, dann war’s besser. Nun werden sie nachgearbeitet.

    Das naechste mal werde ich mir auch noch die Schliesskraft ansehen, denn da gibts Experten, die immer bis ans Maximum gehen (zB vorher 80t auf 80t-Maschine, das naechste Mal auf ner 100t-Maschine, also 100t einstellen – „nur um sicher zu gehen“).

    Da wir die Loesung haben, ich aber lernen moechte, wie ich die Maschine richtig „verstehe“, geht es mir nun eher darum, ob die Herleitung der Loesung richtig war...

    Vielen Dank aus der Sonne,

    tafelberger


    PS: Ja, wenn ich das naechste Mal in Deutschland bin, mach ich nen Maschineneinstellkurs...

  • JA die liebe Entlüftung.....
    Soweit ganz gut gelöst. Wenn Du dir nicht sicher bist. klebe einen Streifen Tesafilm vom Formnest nach draussen.Genau an die Stelle an der der Kunststoff zuletzt zusammenfliesst. Das hält 2 bis 3 Schuss.Ist aber sehr aufschlussreich.
    Mit der Schließkraft ist es auch recht einfach. Du fährst deinen Artikel mit voller Schließkraft an. Wenn Du zufrieden bist, wiegst du deinen Artikel. Im nächsten Zyklus nimmst du 100 oder 1000KN (je nach Maschinengrösse) weniger. Dann den Artikel wiegen. Das machst Du solange bis dieser schwerer wird.Damit kannst du die Zuhaltekraft recht genau einstellen.
    Sollte bei einer 80t Maschine schon bei 700KN der Artikel schwerer werden, würde ich auf eine etwas grössere Maschine gehen. Nicht das die 80t schon zu wenig sind. Ich habe heute einen Artikel gemustert der auf einer 125t Maschine gefertigt wird. Weil keine frei war sind wir auf 300t ausgewichen. Die benötigte Zuhaltekraft betrug 2600KN. Wir wissen jetzt warum die Form schon des öfteren aufgeschweisst wurde :winking_face:

  • Aber bitte den Klebestreifen nicht genau da wo die Bindenaht bzw der Zusammenfluss ist, sonst klebst du die Entlüftung zu und lenkst ggf. sogar die Masse um. :winking_face:
    Wenn die Luft schwer raus geht, hat man meist sogar eine Brandstelle oder ist kurz davor mit einer Verfärbung.
    Möglicherweiße, ist auch deine Fließfront (von der einspritztenden Masse) zu kalt, evtl. helfen schon höhere Temperaturen der Masse.

    Die Schließkraft ist auf jeden Fall einer der ersten Punkte die überprüft werden sollten. Zuhaltekraft - Formel kennst du ja schon. :smiling_face:

  • Hallo und vielen Dank fuer die Antworten.

    Na dann bin ich ja beruhigt - hatte das mit dem Tesafilm schon in einem anderen Thema gelesen. Aber immer wieder gut, wenn man direkt drauf gestossen wird.

    Schliesskraftermittlung kannte ich (ausser dem theoretischen Ansatz) nur ueber "runtergehen bis Grat, dann 10% hoeher"). Das mit dem Gewicht kannte ich bisher nur fuer die Nachdruckzeitermittlung, also bis der Anspritzpunkt eingefroren ist...
    Gehoert aber beides nicht hierher.

    Einer meiner Kollegen will nun noch einen Schritt weiter gehen und moechte den Heisskanal ueberpruefen lassen, ob es da Unterschiede bzgl. Masseemperatur der beiden Kavitaeten gibt.
    Keine Ahnung, ob das was sein kann - klar, kann ich mir vorstellen, dass im HK-Duesenbereich heisser ist und der Verteiler auf der einen Kavitaet etwas kuehler. Aber dann wuerde es doch die ganze Zeit ungleichmaessig rauskommen und nicht nur am Ende der Fuellung, oder? Dagegen spricht doch, dass bis zu einem gewissen Punkt die Fuellung gleichmaessig ist, dann aber die eine zurueckbleibt. :confused_face:

    Hat er mich nun nicht verstanden, bzw. ist das nicht logisch hergeleitet oder ist da was dran?

    Bin gespannt...

  • Den HK zu überprüfen ist nie verkehrt. Wir hatten mal einen kleinen Metallspan im HK, dieser wurde durch Dekompression (durch Probleme auch vor dem Dosieren) immer hin und her geschoben, das war so zyklisch, das es beinahe nicht auffiel, erst als eben dieser gereinigt wurde.


    Hier mal nochwas zur Zuhaltekraft:
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