Dekompression vor dem Dosieren

  • Frage: Wann verwendet man beim Spritzgießen "Dekompression vor dem Dosieren? Wir verwenden diese Variante garnicht!!! Ich denke mir eine Dekompession vor dem Dosieren sollte man bei Heißkanalwerkzeugen verwenden. Wobei nach der Dekompression eine
    Verzögerungszeit eingestellt werden sollte. D.H das die komprimierte Masse im HK-Wkz. Zeit hat in Richtung Maschinendüse (Schneckenzylinder) zu entlassten. Stimmt meine Theorie oder gibt es noch andere Argumente Dekompression vor dem Dosieren ein zu setzen.????

  • Hast Dir die Frage selbst beantwortet =)

    Die Dekompression vor dem Dosieren hat wie Du schon schreibst bei Heißkanalwerkzeugen einen Sinn.
    Weiterhin kann man die Funktion bei Werkzeugen nutzen, die über einen Sumpf (plastische Seele) angespritzt werden, um diese zu Entlasten und so eine bessere Entformung zu gewährleisten.

  • Hallo HK,

    über einen Sumpf habe ich in diesem Jahrtausend noch kein Teil angespritzt. :]

    Dass war im letzten jahrtausend. :smiling_face_with_sunglasses:

    Sicherlich kenne ich das Verfahren, aber es wirklich 20 Jahre her, dass ich WZ mit dieser Technik angefahren habe.

    Vielelicht sollte man noch erweähnen, für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen hier im Forum, dass das Anspritzen über eine Vorkammer (Sumpf) eine Aart Vorläufer zum Heißkanal ist. Es gab als Zwischenstufe auch eine beheizte Vorkammerbuchse.

    Was nun die K-Entlastung vor Dosieren angeht, wird diese, wie beschrieben bei Heißkanalwerzeugen oder beim "Sumpf" eingesetzt.
    man muss dabei nur aufpassen, dass sie nicht zu groß wird!

    Gruss
    Zauberer

  • Danke für die schnelle Antwort habe mir sowas schon gedacht. Ist ja von der Logik auch verständlich. Bin kein Kunststoff-Fachmann. Deshalb eine weitere Frage; was ist ein sogenannter Sumpf (plastische Seele)??

  • Hallo,
    unter einem Sumpf musst Du Dir eine trichterförmige Kammer vorstellen (als Angußbuchse), die mit dem zu spritzenenden Material gefüllt wird. (Dieses Verfahren eignet sich nur für schnelle Zykluszeiten.) In der Mitte bleibt der Kunststoff "flüssig" die sogenannte plastische Seele. Der Sumpf endet direkt am Anschnitt, so das Du wie beim Heißkanal keinen Anguß hast. Ich hoffe habe das verständlich erklärt. Anbei noch ein Bild.
    Die im Bild erwähnte Anlagefläche ist die Anlagefläche der Düse.

  • :] :] Ein Sumpf ist ein Heisskanal für Arme :] :]

    Hat noch einer von Euch diesen Anwendungsfall?

    Edited 2 times, last by Bubbelmaker (July 18, 2007 at 5:38 PM).

  • Sagen wir es mal so,

    wenn das Werkzeug schon die Jahre auf dem Buckel hat?!?
    Soll man es denn ändern oder wegwerfen, obwohl es geht???
    Wie bei Computer Computern gilt:

    Never touch an running Systhem!!!

    So einen Sumpf muss man erstmal angefahren kriegen;)

  • hi@all,

    nun mal zurück zur eigentlichen Frage,

    macht die Dekompression vor Dosieren wirklich Sinn?

    Wie hoch stellst du den Weg ein?

    Ist der Weg zu klein, hast du den Entlastungseffekt nicht,

    ist der Entlastungshub zu gross, wird die Schnecke beim Starten des

    Dosiervorganges durch den Staudruck nach vorne gedrückt.

    Reicht es nicht aus, den Heisskanal nach dem Dosiervorgang zu

    entlasten?

    mfg
    Peter

  • Quote

    Original von Bubbelmaker
    :] :] Ein Sumpf ist ein Heisskanal für Arme :] :]

    Hat noch einer von Euch diesen Anwendungsfall?


    JA!!!
    Und auch beheizte Vorkammer Düsen werden bei uns noch eingesetzt!

  • Quote

    Original von Bubbelmaker
    :] :] Ein Sumpf ist ein Heisskanal für Arme :] :]

    Hat noch einer von Euch diesen Anwendungsfall?

    Wie QS schon schrieb es gibt auch noch ältere Werkzeuge die laufen und warum soll man es ändern wenn es so gut ist. Die Teile (sind nur noch wenige) die wir so noch produzieren sind in Ordnung.


    Hallo Peter,
    sicher macht das Sinn. Die Wegeinstellung richtet sich nach dem vorhandenen Material und den Verhältnissen vor Ort. Da kann man so keinen festen Wert sagen. Ein Beispiel von mir: Haben eine Heißkanalform, wenn ich hier nicht 1,0mm entlaste vor dem Dosieren läuft mir das Material in die Form. Einzugsprobleme habe ich dadurch nicht.

  • Was geht denn hier ab. Das war doch nur ein Scherz? Habe ich irgendwo geschrieben das alle alten Wkz auf den Schrott gehören?

    Stift
    Was hat eine beheizte Vorkammer mit einem Sumpf gemeinsamm?

    @Eliott
    Zur Druckentlastung im Heisskanal kann es helfen, aber nur bei einem offenen System und schnellen Zykuszeiten. Wenn man(n) gegen ein noch auffahrendes und schließendes Werkzeug dosieren muss kann durch eine K-Entlastung vor Dosieren ein kalter Propfen vermieden werden. Hiefür benötigt Ihr aber eine Verschlussdüse in der Maschine.
    qs
    Wie fährt man so ein Werkzeug denn an?

  • Quote

    Original von Zauberer
    Vielelicht sollte man noch erweähnen, für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen hier im Forum, dass das Anspritzen über eine Vorkammer (Sumpf) eine Aart Vorläufer zum Heißkanal ist. Es gab als Zwischenstufe auch eine beheizte Vorkammerbuchse.

    Hab mich auf das bezogen!

  • HK,
    verstehe den Zusammenhang nicht ganz,

    wenn Du dosierst ist doch das Wzg noch geschlossen, wie soll da

    Material nachlaufen?

    Dass bei der unkontrollierten Bewegung der Schnecke Einzugsprobleme

    entstehen war auch nicht mein Gedanke, eher die unkontrollierte

    Bewegung der Schnecke und dadurch entstehende

    Unregelmässigkeiten im Prozess an sich.

    mfg
    Peter

  • zum Thema Vorkammerbuchsen bzw. Düsen

    kenne noch die guten alten Kupferdüsen, unbeheizt, die den HK

    ersetzt haben,vermutlich der Nachfolger für den unten erwähnten

    Sumpf, den ich selbst nicht kenne,war aber damals, in der guten alten

    Zeit =),für Schnellläufer nicht`s aussergewöhnliches, hat nur genervt, dass

    man die Kupferdüsen oft nacharbeiten musste, da die Bohrung relativ

    schnell verdrückt war.

    mfg
    Peter

  • Quote

    Original von peri
    HK,
    verstehe den Zusammenhang nicht ganz,

    wenn Du dosierst ist doch das Wzg noch geschlossen, wie soll da

    Material nachlaufen?

    mfg
    Peter

    Hallo Peter, ist klar das in ein geschlossenes Werkzeug kein Material rein laufen kann. Ich meine beim Werkzeug öffnen bzw. Entformen. Entlaste ich den Heißkanal vorher nicht läuft das Material in die geöffnete Form.
    Ist keine generelle Aussage, gibt bei uns 2 Werkzeuge, da geht das nur so. Die anderen Heißkanalwerkzeuge bei uns haben diese Problem nicht. Ist halt auch immer Material und von der Kontur des Heißkanals abhängig.

  • Hallo zusammen,

    es sind schon viele richtige Dinge scheschrieben worden, die es ganz gut erklären.

    Möchte dennoch etws zum Hintergrund sagen, da meiner Auffassung nach dem nicht geübten Leser(in) einige Zusammenhänge nicht so ganz klar sein können.

    Die KE vor Dos wird eingesetzt, wenn man mit einem offenen Heißkanalsystem oder mit Sumpf fährt. Sie kann auch bei dehr dicken Angüssen (ab 10 mm Durchmesser) sehr hilfreich sein.
    Durch das Zurückziehen der Schnecke stellt sich ein niedrigerer Druck im Sammelraum / dem kommunizierenden, schmelzeleitednem System ein. Dies geschieht durch die Vergrößerung des Volumen bei gleichbleibenden Masseanteil. Hierdurch wird die Schmelze "entspannt".
    Bei dieser Maßnahme sollte man beachten, dass für den jeweiligen Anwendungsfall der passenden Weg und die optimale Rückzugsgeschwindigkeit gefunden wird und nicht (wie schon von anderen beschrieben) soweit gezogen wird, dass der Staudruck (physikalisch korrekt der Staugegendruck in der Hydraulik) die Plastifizierschnecke bei Dosierbeginn nach vorne schiebt, was durch ein entsprechendes Dosierprofil aber zu verhindern währe.
    Dieses entspannen der Schmelze, etwa auf Staudruckniveau, führt, mit einer angepassten KE nach Dos. dazu, dass die Schmelze bei einem sich öffnenden WZ nicht aus der Düse gedrückt wird.
    Hierzu muss oftmals auch noch die Temperatur der HK-Düse angepasst werden, um das nachströmen der Schmelze gänzlich zu vermeisen!

    Zieht man zu viel KE, dann kommt es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Lufteinschlüssen, die dann als Schlieren auf dem Artikel Ausschuss verursachen. ABS z.B. ist da besonders anfällig.

    19.07.2007 / 16:13
    Die erforderlichen Abstimmungen von KE - Wegen, -geschwindigkeiten und den Temeraturen erfordern sehr viel erfahrung und Fingerspitzengefühl. bei Maschinenstillständen kann es beim Anfahren dann zu Problemen kommen.

    Aus diesem Grund sei, der Vollständigkeit halber noch erwähnt, dass es in manchen Anwendungsfällen besser ist eine anderee Maschinentechnik einzusezuen:
    eine Nadelverschlißdüse, die von der Maschine gesteuert wird. Empfehelnswert sind hier hydraulische Schließmechanismen, da sie zuverlässiger und ruckfreier Schließen als pnumatische Systeme.
    Hiermit kann man dann die Maschinendüse nach der KE vor Dos. schließen und man kann sich den ganzen Spul von Abstimmarbeiten ersparen.

    bei der Neukonstruktion von Heißkanalwerkzeugen empfehle ich daher, wenn die Gefahr des nachlaufens der HK-Düse besteht, hydraulische, in bestimmten Fällen auch pneumatische, Nadelverschlußdüsen des Heißkanals. in Kombination mit einer dichten, anliegenden Düse ist dann Schluss mit der "Siffeerei".
    Dies bedingt allerdings, dass die SGM über eine Steuerung für die Düsen verfügt (Sonderaustattung). Von externen geräten kann ich für eine Produktion nur abraten.
    Dass genau auszuführen, führte an dieser Stelle zu weit und am Thema vorbei!

    Edited 2 times, last by Zauberer (July 19, 2007 at 4:19 PM).

  • Diie Erklärung ist wirklich sehr gut,

    vielleicht fehlt mir nur das Verständnis dafür, weil ich so einen

    Anwendungsfall noch nie hatte, obwohl ca 80% unserer Hk-Werkzeuge

    mit offenen HK`s ausgestattet sind.

    Wenn ich`s mir noch 20 mal vor Augen halte, komme ich nicht dahinter,

    was das bringen soll.

    Nachdruckende, KE, dosieren mit Staudruck,bewirkt ja auch Druck auf

    die Masse im Hk, wenn auch sehr gering, dann KE, meiner Meinung nach

    wird jetzt erst die Masse so richtig entlastet, oder hab ich einen

    Denkfehler drin?

    Na egal, werde es die Tage mal testen.

    mfg
    Peter

  • hallo peri,

    wenn dei erklärung gut ist, wie Du schreibst, dann sollte es auch verstanden werden.

    Um das nachzuvollziehen musst Dich in den Prozess hineindenken und selber "Schmelze" spielen!

    Aber am besten versuche es an einem Dir bekannten Werkezug, dann wirst Du sehen, dass es funktioniiert oder Schlieren kommen, wenn die Abstimmung nicht passt.

    Wichtig ist, dass es kummunizierende Drücke im sammelraum und HK sind, die allerdings nicht absolut die gleiche Höhe haben (Reibungsverluste usw.).

    Gruss
    Zauberer

  • Um das nachzuvollziehen musst Dich in den Prozess hineindenken und selber "Schmelze" spielen!


    Zauberer,

    muss mich jeden Tag in Prozesse hineindenken, da bei uns einige

    vermutlich an Alzheimer leiden.

    Selber Schmelze spielen ist ja recht und gut, was glaubst du wie

    gerädert ich abends bin, wenn ich morgens PC spiele, nachmittags PA

    und zwischendurch mal TPE =) :winking_face:

    mfg
    Peter

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