Füllsimulation - Software/Erfahrungen gesucht

  • Wenn man ein bisschen an der Software tunt, ist auch die Vernetzung kein Thema. 99% der Modelle, die ich importiere, brauchen keine Netzreparatur oder ähnliches. Liegt aber auch daran, dass die Daten schon mit einer guten Qualität aus dem CAD-System geschrieben werden und in Kombi mit dem CAD-Doctor während des Imports, alle Flächen sauber sind. Ich zeige Simpatec auch ab und mal auf, was man in der Software wie machen kann. War mit FDU-Hotrunner im Gespräch, wie deren Düsen in Moldex3D leichter modelliert werden können. Für mich ist es ein Zeitaufwand von 2 Minuten das Netz anzupassen, aber wenn man die Tricks&Kniffe von Simulationen nicht kennt, dauert es deutlich länger.

    Bei der Materialdatenbank bitte nicht von der Anzahl der Materialen blenden lassen. Bei so ziemlich allen Spritzgusssimulationsprogrammen, die ich verwendet habe, ist die Materialdatenbank ein Thema. Es mag gut aussehen, wenn man 10.000 verschiedene Materialien in der Datenbank hat, aber das bringt einem nichts, wenn die Wärmeleitfähigkeit und Wärmekapazität linear modelliert sind. Dann kann ich die Simulation gleich bleiben lassen, weil der Fehler hoch wird. Da nehme ich lieber die Datenbank mit 1.000 genau modellierten Materialien, weil ich damit wesentlich weiter komme. Da ist aber auch ein bisschen Wissen für Polymerphysik notwendig, damit man auch das richtige Ersatzmaterial findet.
    Hinzu kommt, dass Albis alle Grundmaterialien bei Moldex3D vermessen lässt. Mit diesen Materialdaten sind die Simulationen sehr genau und erreichen Genauigkeiten mit einer Abweichung von unter 1%.

  • Du sagst da was wirklich wahres. Man muss wissen was in den Materialdaten drin steht dann weiß man welche Fragen man damit beantworten kann. Nicht jede Frage benötigt einen 100% präzisen Datensatz. Bei Sigmasoft sind relativ wenig Datensätze im Standard. Aber normal reicht ein Anruf beim Support und man bekommt was man braucht. Zumindest solange der Materialhersteller Informationen raus gibt. Ausnahme ist der Gummi. Wir haben nur hauseigene Materialien. Der einzige der Materialdaten haben kann sind wir selbst.

  • Wir starten nun über den Sommer einen kleinen Benchmark und werden uns verschiedene Simulationshersteller einladen.
    - Moldex3D
    - Cadmold
    - 3DSigma
    Ich halte euch über unsere Erfahrungen auf dem Laufenden.

    Es motiviert mich auch persönlich, in Zukunft 20k EUR weniger nach :flag_United_States: überweisen zu müssen. :tangerine::face_vomiting:

  • Wünsche viel Erfolg dabei! Einer meiner beruflichen Kontakte hat heute über ein Projekt berichten dürfen, wo die Abweichung beim mucell-Verfahren zwischen Realität und Simulation marginal war.

  • Nutzt niemand SolidWorks Plastics?

    Wir nutzen SolidWorks Plastics. Allerdings, nach Aussage unserer Konstrukteure, kannst du die Software nur für grobe Simulationen verwenden. Wenn du wirklich aussagefähige Ergebnisse willst, dann bist du damit falsch bedient. Und langsam ist die Software!

  • Wir beschäftigen uns momentan mit der Frage, ob für uns ein Simulationsprogramm grundsätzlich Sinn machen würde und wenn ja, welches.

    Stand jetzt sind wir auf die Simulationen und Ergebnisse unserer chinesischen Werkzeugmacher angewiesen, da wir weder einen eigenen Werkzeugbau noch einen Konstrukteur haben. Aber wir stellen in letzter Zeit immer wieder fest, dass die Bemusterungsparameter in China oft nicht einmal ansatzweise mit der Simulation übereinstimmen.

    Deswegen unsere Überlegung, für uns selbst auch Simulationen durchzuführen.

    1u21 Wir wären momentan bei Cadmould gelandet, wie ist deine Einschätzung dazu?

  • Cadmould hat den großen Vorteil, dass es einfach zu bedienen ist und die Ergebnisse sind auch gut, nur mit ein paar Einschränkungen. Wenn du einige passiv temperierte Einsätze hast und das Material keine Glasfasern beinhaltet, sind die Ergebnisse mit großer Vorsicht zu genießen. Kenne ein paar Fälle, wo die Abweichung so groß war und die Werkzeugänderungen dadurch unnötig teuer wurden. Gemeinsamkeit aller dieser Fälle war diese Konstellation und du dürftest schnell merken, ob es bei euch auch der Fall sein wird oder nicht.

    Ich selber nutze Moldex3D und zwar aus mehreren Gründen.
    Ich habe eine Routine, wo ich die Simulationen schnell aufsetze. Ein Projekt brauchte damals in Cadmould 6h für das Aufsetzen, was in Moldex3D in 15 Minuten ging. In Moldex3D ist es möglich Einsätze einzuladen, damit die passive Temperierung auch modelliert werden kann. So werden die Ergebnisse genauer. Die Datenbank ist ähnlich, aber ein paar Materialeigenschaften sind zusätzlich drin, die die Simulationen auch genauer machen, wenn ordentlich gemessen. Habe ein paar Kunden, wo das Material dahingehend genau vermessen wurde und die Ergebnisse sind eine Punktlandung.
    Nachteile hat Moldex3D auch. Das Netz in Cadmould wird schon über die Automatik sehr genau gemacht und braucht in 99,9% der Fälle keinen händischen Eingriff. Bei Moldex3D greife ich in 50% der Fälle händisch ein beim Netz. Auch ist Moldex3D nicht ganz so leicht zu bedienen, aber es geht.

    Was für mich noch relevant wird, ist die Kommunikation mittels einer API. Es soll einiges automatisiert werden und die Ergebnisse sollen auch automatisiert für komplett neue Zwecke verwendet werden. Auch gibt es unabhängig von mir auch gerade Entwicklungen an der Datenbank, die sich ergänzen. Geht um eine andere Messung der Materialien. Dies wird die Qualität von Simulationen auf ein neues Niveau heben. Meine Entwicklungen werden nicht exklusiv für Moldex3D sein, sondern auch für andere Programme, bis auf Moldflow, geöffnet werden. Vorausgesetzt die Entwickler bringen das ein. Sigmasoft hat es schon drin und SimCon weiß auch über die Notwendigkeit bescheid dies einzubringen. Ich fange nur mit Moldex3D an, weil es für mich der geringste Aufwand ist und da quasi ohne Absprache schon alles bereit ist.

    Warum ich Moldflow ausklammere? Weil die ihre Software dahingehend nicht mehr ändern können und werden. Ist ein totes Pferd.

  • Vielen Dank für deine Antwort.

    Wie ist deine allgemeine Einschätzung bezüglich des Nutzens einer eigenen Simulationssoftware für unsere Zwecke?
    Macht unter diesen Voraussetzungen überhaupt Sinn, sich damit zu beschäftigen bzw. kannst du einschätzen welchen (finanziellen) Mehrwert es bringen könnte? (Das Hauptargument der Geschäftsführung wird natürlich sein, dass das Ganze zu teuer ist und sowieso keinen Nutzen bringt)

  • Wie ist deine allgemeine Einschätzung bezüglich des Nutzens einer eigenen Simulationssoftware für unsere Zwecke?
    Macht unter diesen Voraussetzungen überhaupt Sinn, sich damit zu beschäftigen bzw. kannst du einschätzen welchen (finanziellen) Mehrwert es bringen könnte? (Das Hauptargument der Geschäftsführung wird natürlich sein, dass das Ganze zu teuer ist und sowieso keinen Nutzen bringt)

    Wenn ihr keinen eigenen Konstrukteur habt, ist auch klar, dass ihr keine CAD-Software habt. Die braucht man zwingend dafür bzw. jemanden, der damit Erfahrung hat. Ihr müsst nicht zwingend eine CAD-Software kaufen, weil FreeCAD mittlerweile einen guten Status erreicht hat, dass man damit schon viel machen kann. Das CAD-System braucht ihr, um die Simulationen vorzubereiten. Man schmeißt selten bis gar nicht das gesamte Werkzeug direkt in die Simulation ein.

    Hier mein Ablauf, wie ich Simulationen vorbereite:
    1. Öffnen der Daten im CAD-System
    2. Filtern der notwendigen Daten für die Simulation. Die M4-Schraube, die ein kleines Schild fixiert, ist offensichtlich unnötig. Oder die ganzen Auswerfer und andere Kleinteile.
    3. Vereinfachung des Modells. Treffen sich zwei Bohrungen z.B. nicht in der Mittellinie, wird es in der Simulation zu unnötigen Problemen führen, die vermieden werden können.
    4. Rausschreiben des Artikels, des Anguss- und Temperiersystems. Das Anguss- und Temperiersystem werden als Mittellinie exportiert.
    5. Rausschreiben von eventuell vorhandenen passiv temperierten Einsätzen.
    6. Import der Daten
    7. Eventuelle Korrektur der Daten und Vernetzen
    8. Zuweisung der Materialien und Parameter

    Ihr hättet somit einen größeren Erstinvest neben der Simulationssoftware. Beinhaltet auch eine Workstation, die offensichtlich nicht vorhanden ist, und ggfs. eine CAD-Lizenz. Dann braucht es noch eine Schulung eines Mitarbeiters in das CAD-System und die Simulationssoftware. Und der Mitarbeiter muss die Zeit für kriegen sich damit auseinanderzusetzen. Hier reden wir schon über einen guten Kostenblock, der gerne übersehen wird.
    Euren finanziellen Mehrwert kann ich auch anhand deiner Angaben beziffern. Marginal bis gar nicht. Ihr lasst eure Werkzeuge in China fertigen und da hapert es massiv an der Kommunikation. Die Chinesen werden einen Teufel tun und euch die Konstruktion zuschicken, damit ihr im Vorfeld prüfen könnt, ob alles passt. Zum einen weil es gut und gerne 1-2 Wochen dauert und zum anderen weil eure Anmeldungen ihnen egal sind. Auch fehlt euch die Erfahrung. Die muss aufgebaut werden. Eine Simulation zu machen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist komplett sinnfrei. Man schmeißt schlechtem Geld kein gutes Geld hinterher.
    Die Chinesen machen mit Simulationen das, was auch einige Werkzeugmacher aus Deutschland gemacht haben. Ein paar bunte Bildchen generieren, aber das war's auch schon.

    Was könnt ihr stattdessen machen? Wenn ihr mit der Qualität der Werkzeuge aus China unzufrieden seid, einen deutschen Werkzeugbau suchen. Da gibt es mehr und mehr, die auch Simulationen machen und zwar realitätsnahe Simulationen. Da funktioniert es mit der Kommunikation und ihr habt hinterher weniger kostspieligen Ärger. Wenn du da ein paar Werkzeugbauer brauchst, brauche ich ein paar Angaben welche Materialien ihr verarbeitet, für welche Branche und in welcher Größe. Bitte per PN. Habe Kontakt zu einigen Werkzeugbauer, die ich dahingehend empfehlen kann.
    Wenn ihr noch die Möglichkeit habt bei der Artikelkonstruktion mitzureden und sinnvolle Änderungen einzubringen, kann es auch mit einem Dienstleister zu Beginn gemacht werden. Da gibt es auch ein paar, die gute Arbeit machen. Wichtig ist nur, dass sie ehrlich sein müssen und den Finger in die Wunde legen wollen und können. Meine schonungslose Art schätzen mittlerweile einige Kunden, weil ich keinerlei Versprechen mache, die realitätsfremd sind. Ist aber für manche auch ein Schock, wenn ich einfach sage, dass gewisse Dinge einfach Mist sind und warum.

  • Da kann ich nur eingeschränkt beipflichten.
    Die Kommunikation mit Chinesen ist definitiv ein Problem und auch die Umsetzung der Simulationsergebnisse in die Praxis ist meist nicht gegeben.
    Trotzdem habe ich in den letzten Jahren schon einige erstaunlich gute Simulationsberichte von asiatischen Dienstleistern gesehen.
    Sicherlich nicht das Niveau, auf dem du ( 1u21) arbeitest, aber leider oft professioneller als die besagten "bunten Bilder" vieler heimischer Lieferanten.

  • Da kann ich nur eingeschränkt beipflichten.
    Die Kommunikation mit Chinesen ist definitiv ein Problem und auch die Umsetzung der Simulationsergebnisse in die Praxis ist meist nicht gegeben.
    Trotzdem habe ich in den letzten Jahren schon einige erstaunlich gute Simulationsberichte von asiatischen Dienstleistern gesehen.
    Sicherlich nicht das Niveau, auf dem du ( 1u21) arbeitest, aber leider oft professioneller als die besagten "bunten Bilder" vieler heimischer Lieferanten.

    Die habe ich noch nicht gesehen, aber ich zweifel es nicht an. Auch in China gibt es Leute, die ihr Handwerk verstehen, aber bisher habe ich noch keinen von ihnen getroffen.

  • Nicht zum eigentlichen Thema, aber zu generellen Arbeitsstil:

    Ich kann 1u21nur beipflichten. Viele fühlen sich auf den Schlips getreten, wenn man nach Details ausserhalb des eigenen Fachgebietes fragt. (Nach über 40 Jahren ist man schließlich kein Fachidiot!) Ich habe dann oft gehört "Hast Du wieder was zu meckern?" Darauf meist ich "Ich meckere nicht. Ich kalkuliere ein, dass auch mal etwas nicht das gewünschte Ergebnis bringt!" In den letzten Jahren kamen immer öfter Ingenieure und haben mit mir Probleme diskutiert!

    Oder auch modern ausgedrückt: Probleme beim Spritzguß, auch bei der Konstruktion, sind oft nicht die Sache einzelner Fachbereiche, sondern müssen interdisziplinär gelöst werden!

    Aber das ist vorbei: Noch 36 Tage bis zur Rente!

    Lutze aus dem Oberharz

  • Kurzes Update zu dem Thema:

    Wir haben uns aktuell zum Testen für Cadmould entschieden, weil es unserer Ansicht nach der "günstigste" und einfachere Einsteig ist um erste Erfahrungen zu sammeln, unter anderem weil es ein Monatsbasiertes Nutzungsmodell gibt.
    Über Simpatec habe ich letzte Woche an einem DIY für Moldex3D teilgenommen, um mal zumindest auch einen groben Überblick zu bekommen.


    1u21Es gibt die Überlegung die Konstruktion und Simulation vollständig in House zu machen, dazu werden gerade Vorstellungsgespräche im Bereich Konstruktion geführt. Uns ist bewusst, dass dann auch nicht alles von heute auf morgen geht und es dauert das nötige Know How aufzubauen und Erfahrungen zu sammeln. Aber ich denke dass wir damit auf dem richtigen Weg wären.

  • Danke für das Update.

    Achtet darauf, dass ihr auch die Simulationen verifiziert. Heißt Schwindung&Verzug aus der Simulation mit realen Werten abgleichen. Stimmt das, stimmt auch der ganze Weg vorher. Für Anfänger ist Cadmould keine schlechte Wahl, wenn die Ergebnisse passen.

    Simulationen intern zu machen ist ein wichtiger Schritt, den können aber nicht alle stemmen. Achtet bitte darauf, dass 1-2 Leute die Simulation auch wirklich nutzen. Sonst ist es rausgeworfenes Geld.

  • Da schließe ich mein Update doch gleich an :winking_face::

    Nachdem wir das immer schlechter und teurer werdende Moldflow definitiv loswerden wollten, haben wir sowohl Moldex als auch Cadmould zum Testen angefragt.
    Hier zeigte sich Simcon (Cadmould) sehr offen und transparent. Testlizenz für 30 Tage erhalten, installiert und nach einem kostenlosen online Bootcamp direkt lossimulieren können. Die Ergebnisse waren top (das wurde auch mittels CT, Füllstudien etc. verifiziert), selbst bei Bauteilen bei denen Moldflow schlecht performte.
    Bei Simpatec (Moldex) war die Testanfrage deutlich umständlicher. Hier wollte man vor einer Testlizenz erstmal eine Schulung verkaufen. Und da Cadmould gegenüber Moldflow schon so super performte und preislich nur knapp die Hälfte der Konkurrenz verlangt, haben wir Moldex überhaupt nicht mehr getestet. Allerdings höre ich in meinem Umfeld auch von vielen Ex-Moldflow-Simulanten, die auf Moldex anstatt Cadmould umstiegen.
    Egal wie: Moldflow ist überteuerter Schnee von gestern. Wir sind bislang von Cadmould begeistert.

    Wir werden uns in den nächsten Monaten tiefer in Cadmould einarbeiten und Erfahrungen sammeln. Dann gebe ich euch gerne wieder ein Update.

    Autodesk Moldflow
    + Premium-Status
    + Visualisierung
    + Strukturierung und Gegenüberstellung von Studien/Ergebnissen

    Simcon Cadmould
    (+) unkomplizierte, kostenfreie Testphase
    + Preis
    + Support (D)
    + Bonus-Features: DoE, FEM, …
    + Geschwindigkeit
    + Verzugsergebnisse
    + Reporting-Funktion

  • Kann mich da bezüglich Moldex nur anschließen, der Weg zum "nur" testen ist gefühlsmäßig wesentlich umständlicher.
    Wäre cool, wenn wir uns bezüglich der bisherigen Erfahrungen mit Cadmould mal kurz austauschen könnten :smiling_face:

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