Einfallstellen bei TPE-U Umspritzung

  • Hallo zusammen,

    Ich war bisher stiller Mitleser und finde euer Forum wirklich super.

    Mittlerweile habe ich aber selbst eine Frage.

    Ich habe sporadische Einfallstellen bei umspritzten Teilen mit TPE-U (nur auswerferseitig). Folgende Parameter habe ich angepasst:

    - Nachdruck erhöht (nur bedingt möglich da es sich um Einlegeteile handelt max. 200bar)

    150 -> 200 -25bar - ND Zeit insgesamt 7.2 sec

    - langsamer eingespritzt 3 stufig (3->2->1,6)

    -Staudruck erhöht auf 150 Bar

    -Dosiervolumen 14

    -Restmassepolster 3

    - Zylinder Temperatur ansteigend richtung Düse 195->205->215->220

    -Dosiergeschwindigkeit 12

    - Zuhaltekraft 25 KN

    -Werkzeugtemperatur 35grad

    - Maschine Arburg 275v -> 25er Zylinder


    Einfallstellen treten nicht mehr auf seit dem ich Tesa auf die Auswerferseite geklept habe.(Entlüftung)

    Was kann ich noch optimieren, da Tesa im Werkzeug keine langfristige Lösung ist?

    Vielen Dank im Voraus

    Grüße

    David

  • Bei Problemen mit der Formfüllung im weitesten Sinne habe ich, besonders bei mehreren Nestern, immer mit einer Füllstudie begonnen. Diese Studie sollte mindestens 10 Stufen haben!
    Ich habe dabei rückwärts gearbeitet, vom vollen Teil bis zu Teilen, an denen die Fehlerstelle nicht mehr gefüllt wird:
    - bei hohen Nachdrücken stufenweise die Höhe und/ oder Zeit verringern
    - ab Nachdruck = 0 weniger Material einspritzen.
    Oft zeigt sich dabei, dass die Fehlerstelle sehr früh oder sehr spät gefüllt wird.
    Natürlich ist auch die Verteilung der Wandstärken interessant. Hier auch im Bezug zu den Einlegeteilen.
    Zu den Einlegeteilen: Welches Material? Werden sie vor dem Einlegen angewärmt? Volumen der Einlegeteile im Verhältnis zum Volumen des Kunsststoffes?
    Ich würde auch ein Teile "mit Tesa" quer zum (nicht mehr vorhandenen) Einfall spanlos durch schneiden: Ist aus dem Einfall ein Lunker geworden?

    @PO Ein paar Bilder wären hilfreich!

    Grüsse aus dem Harz
    vom Rentner
    Lutz

  • Das Problem ist doch eher eingeschlossene Luft anstatt Einfallstelle wenn es mit Tesa behoben werden kann.

    Wenn die Schließkraftreduzierung vom Vorredner nicht fruchtet muss halt die WKZ-Entlüftung optimiert werden.

    Grüße

  • Hallo zusammen,

    Vielen Dank für eure schnellen Lösungsansätze.

    Vorab eine kleine Skizze:

    Please login to see this attachment.

    Werkzeug mit 2 Kavitäten.

    1u21 Die Zuhalte Kraft wurde schon auf das minimalste reduziert. Bei noch geringerer Zuhaltekraft kommt Schwimmhaut.

    petersj Das mit der Nachdruckzeit werde ich Testen.

    HarzerLausbub Die Einlegeteile werden nicht angewärmt. Das Verhältnis zwischen Einlegeteil und Kunststoffumspritzung liegt ca. bei 30% Einlegeteil und ca. 70% Kunststoff (TPE-U). Das Einlegeteil besteht aus PUR. Schussgewicht ohne Einlegeteil = 12,51g. Gewicht Einlegeteil = 3,9g.

    Für Füllstudie brauche ich Einlegeteile, muss schauen ob ich welche fertigen lassen darf.

    Mrmiyagi88 Eine Entlüftung ist schon vorhanden, da muss ich nachfragen ob hier nachgebessert werden kann.

    Wenn ihr noch fragen habt lasst es mich Wissen.


    Viele Grüße David

  • Moin,

    Kannst Du bite in deiner Skizze noch die Trennebene markieren, vielleicht in ROT!

    Der Einfall ist an der Stirnseite, in der Skizze oben? Richtig?
    Im ersten Anblick seltsam: der Bereich mit der geringsten Wandstärke! Aber auch das Ende des Fließweges! Da hat die Änderung des Nachdruckes die größte Wahrscheinlichkeit auf Erfolg!

    Trotzdem noch Fragen: Ist es ein neues Teil oder schon älter? Wenn älter: Ist der Fehler auch älter? 2 Formnester: Ist der Fehler immer am gleichen Nest?

    Grüsse aus dem Harz
    Lutze

  • Hallo zusammen,

    das Teil ist Rund, die Trennebene verläuft also genau mittig.

    Die Einfallstellen befinden sich in der Ebene wo sich der Durchmesser von groß auf klein ändert.

    Nur die Auswerferseite ist betroffen, beide Nester.

    Das Werkzeug ist neu.


    Gerne beantworte ich weitere Fragen.


    Grüße David

  • Bei den vielen Problemen in den Spritzereien amortisiert sich eine Wärmebildkamera binnen kürzester Zeit. Daher ist es meiner Meinung nach völlig unverständlich, dass dieses Messinstrument immer noch nicht zum Standard in Spritzereien gehört!

    Zumal eine Kamera z. B. von Flir für < 2.000,00 Euro völlig ausreicht!

    Anwendungsbereiche von Wärmebildern im Spritzguss

    • Werkzeugoptimierung:

      Wärmebildkameras können direkt nach dem Spritzguss ein "temperaturbedingtes Fingerabdruck" der Form auf dem Bauteil erkennen. Anhand dieser Daten können Hotspots oder andere Unregelmäßigkeiten identifiziert und die Kühlung des Werkzeugs gezielt optimiert werden, was zu einer gleichmäßigeren Abkühlung des Kunststoffteils führt.

    • Qualitätskontrolle der Bauteile:

      Durch die Aufnahme eines Wärmebildes des fertigen Bauteils direkt nach dem Entformen können Fehler wie Lufteinschlüsse oder Fremdmaterialien erkannt werden. Vergleicht man das gemessene (IST) mit einem Soll-Wärmebild (SOLL) kann die Qualität direkt überprüft werden.

    • Prozessüberwachung:

      Stationär installierte Wärmebildkameras können den Prozess in Echtzeit überwachen. Bei einer Abweichung von der Solltemperatur kann die Steuerung der Formtemperatur direkt angepasst werden, was eine fortlaufende Prozesskontrolle ermöglicht.

    • Effiziente Prüfung:

      Die Thermografie bietet eine schnelle und zerstörungsfreie Methode zur Qualitätskontrolle, die für die visuelle Prüfung oft zu langsam und unzuverlässig ist.

      Quelle: Google

    Edited once, last by Gast (October 17, 2025 at 3:55 PM).

  • Ich stimme Behrens zu: Eine Wärmebildkamera ist bei der Fehlersuche und zur Beurteilung der Temperierung sehr hilfreich. Zumindest ein berührungsloses Thermometer mit Spotfunktion sollte vorhanden sein!

    Wenn ich es richtig verstehe, ist die Trennebene gemäß deiner Skizze senkrecht!
    Der Einfall ist über der größten Wandstärke!
    Ist in unmittelbarer Nähe ein Auswerferstift bzw. kannst Du die Entfernung zum nächsten Temperierkanal in der Auswerferseite in Erfahrung bringen und mit der festen Seite vergleichen? Ein Auswerferstift verbessert die Entlüftung, zwingt aber auch zur Verschiebung von Temperierkanälen!

    Das ganze Teil hat einen gewaltigen Konstruktionsfehler: Der rechte Winkel bei der Änderung des Durchmessers vom Einlegeteil! Die Kontur des Einlegeteiles sollte besser der Kontur des Fertigteiles folgen!
    Jetzt hast von diesem rechten Winkel zur Schräge der Aussenkontur mindestens das Doppelte der allgemeinen Wandstärke.

    Mein Vorschlag: Die feste Seite 5 Grad höher, die Auswerferseite 5 Grad tiefer temperieren. Ggf. auch mehr Unterschied!

    Schönes Wochenende!

    Lutze

  • Hallo zusammen,

    habe bei der letzten Besprechung das Thema Wärmebildkamera angesprochen.

    Die Erfolgschancen sind wohl eher gering. Es Kam nicht so wirklich großes Interesse auf.

    Die Entlüftung wurde inzwischen um 0,025mm nachgebessert.

    Die Einfallstellen bleiben, nun werden die Verriegelungen "entschärft".

    Bei der nächsten Produktion werde ich die unterschiedliche Temperierung AS + DS ausprobieren.


    Gruß David

  • Da sieht man mal wieder hervorragend warum so viele Kunststoffverarbeiter Probleme haben. Unfähige und Ahnungslose Führungspersonen sehen nur die kurzfristige Investition und lehnen das ab. Keiner denkt an die extrem hohen Folgekosten durch Ausschuss und ewiges herumstochern im dunkeln bis man aus Versehen die Lösung findet oder so viel daran herumgepfuscht hat bis es auch irgendwie mit 20% Ausschuss funktioniert. :face_with_symbols_on_mouth:

  • Da sieht man mal wieder hervorragend warum so viele Kunststoffverarbeiter Probleme haben. Unfähige und Ahnungslose Führungspersonen sehen nur die kurzfristige Investition und lehnen das ab. Keiner denkt an die extrem hohen Folgekosten durch Ausschuss und ewiges herumstochern im dunkeln bis man aus Versehen die Lösung findet oder so viel daran herumgepfuscht hat bis es auch irgendwie mit 20% Ausschuss funktioniert. :face_with_symbols_on_mouth:

    Diese Art der Kostenrechnung wird noch vielen Spritzgießer das Genick brechen. Wenn der ROI bei 4-8 Wochen liegt, muss man es eigentlich so schnell wie möglich umsetzen. Selbst bei einem Jahr muss es schnellstmöglich umgesetzt werden. Hinzu kommt noch die Haltung, dass man Probleme doch alleine lösen können muss und keinen externen Dienstleister braucht.
    Aktuelles Beispiel bei mir: Hab bei einem Neuartikel ein paar Probleme angesprochen. Projektleitung, die noch mit dieser Sorte Artikel keine Erfahrung hat, hat mal in der Produktion gefragt, die weitaus mehr Erfahrung hat, ob es bei ähnlichen Artikel die gleichen Probleme gibt. Wurde bejaht und alleine nur im frühen Stadium der Werkzeugkonstruktion konnten wir dieses Problem gezielt angehen und so Kosten sparen. Meine Kosten amortisieren sich nach vielleicht 3-4 Wochen. Für einen Artikel, der noch 10-15 Jahre laufen wird.

  • Selbst ich als Minibetrieb habe eine :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Zugegebenermaßen nutze ich sie für die verschiedensten Anwendungen (auch Elektronikentwicklung usw.) - aber es ist mir unverständlich, wie man ohne Wärmebildkamera Spritzgießen betreiben kann. Bei Problemen mit der Temperierung ist das doch DAS Hilfsmittel.

    Und meine war auch nicht wirklich teuer - knapp 600€ netto (von Seek). Das Ding ist vollkommen ausreichend.

    Wie Majestix schreibt: Das Geld hat man doch schon nach wenigen Stunden Herumgestochere im Nebel wieder raus.

  • Selbst ich als Minibetrieb habe eine :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Zugegebenermaßen nutze ich sie für die verschiedensten Anwendungen (auch Elektronikentwicklung usw.) - aber es ist mir unverständlich, wie man ohne Wärmebildkamera Spritzgießen betreiben kann. Bei Problemen mit der Temperierung ist das doch DAS Hilfsmittel.

    Und meine war auch nicht wirklich teuer - knapp 600€ netto (von Seek). Das Ding ist vollkommen ausreichend.

    Wie Majestix schreibt: Das Geld hat man doch schon nach wenigen Stunden Herumgestochere im Nebel wieder raus.

    Speziell weil die Preise für Wärmebildkameras in den letzten Jahren gefallen sind, spricht nichts mehr dagegen. Auch eine Ansteckwärmebildkamera fürs Smartphone wird gute Dienste leisten und brauchbare Modelle gibt es ab 400€. Kein Geld, wenn man die Kosten bedenkt, die durch die umständliche Suche entstehen.

  • vielleicht liegt es manchmal auch daran, dass man nach einer entsprechenden Analyse/Auswertung mit dieser Technik nicht mehr die "Spritzer" als Sündenbock hat, sondern die auftretenden Fertigungsfehler auf die Konstrukteure/Werkzeugbauer oder knausrigen Chefs abwälzen könnte ... :grinning_squinting_face:

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