Tipps Ursachenforschung - Übermäßiger Schneckenverschleiss

  • Hallo Allerseits,

    vielleicht hat Jemand den ein oder anderen Tipp der bei meiner Recherche bei folgendem Problem helfen kann :smiling_face:

    Wir haben bei uns eine 1600kN Engel im Einsatz. Häufige Artikelwechsel. Grob geschätzt wird übers Jahr zu 50% unverstärktes PP / 10 % unverstärktes PS / 20% PA6 GF 15-30 / restliche 20 % unverstärktes ABS. Nitrierte Schnecke im Einsatz.

    Leider hole ich jetzt etwas weiter aus - habt Nachsicht .

    Dieses Jahr hat der Schneckenverschleiß aus bislang unbekannter Ursache stark zugenommen. Anfang des Jahres starke Prozessschwankungen-> Schnecke geprüft -teilweise 1mm unter Soll Maß.

    Zylinder augenscheinlich i.O. Neue Schnecke eingebaut. 3-4 Monate später wieder das gleiche Thema -Schnecke geprüft 1mm runter. Dann erneut eine neue Schnecke besorgt und Hersteller kontaktiert. Primär hatten wir dann unsere Prozesse ins Visier genommen und hinsichtlich Dosierung optimiert.

    Nun hatten wir nach 5-6 Wochen und mehreren Produktwechseln zwar noch keine größeren Prozessschwankungen jedoch Metallpartikel in einem Formteil und haben die Schnecke dann erneut geprüft. Wieder stark abgearbeitet. teilweise 1mm unter Maß.

    Die Schnecke wurde direkt ersetzt. Seitdem haben wir seit ca. 4 Wochen nur einen Artikel mit unverstärktem PP im Einsatz. Sehr moderate Dosiergeschwindigkeiten und Staudruck bei 50b .

    3 Wochen stabiler Prozess. In den letzten Tagen fingen dann jedoch wieder die Prozessschwankungen an. Die Schnecke wird die Tage erneut gezogen. Ich ahne was wir zu sehen bekommen.

    Da zumindest bei dieser Schnecke nur eine Prozesseinstellung und ein Material zum Einsatz kam, fixieren wir uns jetzt mehr auf eine mögliche mechanische Ursache.

    Könnt ihr mit Hinweise geben wo eine eventuelle Ursache liegen könnte die diesen extremen Verschleiß erklärt ? Problem mit dem Zylinder zum Beispiel?

  • Prozessschwankungen zeigen sich durch eine verschobene Druckkurve und sporadisch schwankendes Massepolster. Eigentlich wie bei einer verschlissenen RSP. Zunehmende Dosierzeiten wurden mir beim Vergleich von aufgezeichneten Prozessparametern und ist Zeiten gemeldet.

    Schwankungen weiterhin auch nach Wechsel der augenscheinlich intakten RSP. Danach wurde dann Schnecke gezogen und vermessen.

    Die 3 Zonen Schnecke war primär in der Meteringzone abgearbeitet. verschleiß in de Einzugs- sowie Kompressionszone 0,2-0,3mm. Jedoch in der Meteringzone bei 1mm.

    Engel wurde bislang nicht kontaktiert. Gründe. Erstens kommt die Schnecke von einem anderen Zulieferer . Wir beziehen alle unsere Schnecken von diesem und kennen solche Probleme eigentlich nicht.

    Zweitens ist dass man bei jedem Wechsel der Schnecke dachte die Ursache erkannt und danach abgestellt zu haben.

    Beim ersten Schaden gingen wir vom normalen Verschleiß über die Zeit aus.

    Beim zweiten mal lag der Fokus nach Rücksprache mit dem Hersteller auf Prozesseinstellungen wie zu hohe Staudrücke insbesondere mit Materialien mit Füllstoffen. Da sind wir fündig geworden und haben optimiert.

    Als dann die dritte Schnecke innerhalb kürzester Zeit durch war hat der Hersteller diese direkt ersetzt und suchte nach einer möglichen Ursache bei sich.

    Hier wurde von einem Fertigungsfehler ausgegangen.

    Jetzt erst wird nach einer nicht auf den ersten Blick offensichtlichen Ursache gesucht. Wenn die Tage die jetzige Schnecke gezogen und vermessen wird und meine Befürchtungen sich bewahrheiten, wird auch Engel zu Rate gezogen.

    Wir werden diese Nuss schon noch knacken. Hätte nur sein können das Jemand hier schon einmal ähnlich Erfahrungen gesammelt hat und Hinweise hätte. Die ganze Geschichte ist leider durch die irrige Annahme immer die Ursache gefunden und abgestellt zu haben aus dem Ruder gelaufen.

    Naja hinterher ist man immer schlauer.:face_with_rolling_eyes:

    Edited once, last by Oimi (November 8, 2025 at 11:53 AM).

  • Moin.
    Das Granulat: Alles Neuware oder ist Rezyklat bzw. aufgearbeitetes Material dabei! Wie sind eure Toleranzen für die Qualität des Granulates.
    [Bei uns war für einen Kunststoff die Fließfähigkeit (die genaue Bezeichnung habe ich vergessen) von 20- 70 zulässig, vom Konzern vorgegeben!]

    Grüsse aus dem Harz

    Lutze

  • Probleme in der Meteringzone sprechen für eine miese Entlüftung und schlechte Trocknung des Materials. Nicht nur Kunststoff mag kein Wasser und Sauerstoff bei hohen Temperaturen, auch Stahl mag es nicht, egal ob beschichtet oder nicht.

    Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass ihr auf dieser Maschine einen Artikel mit sehr langer Zykluszeit fahrt und die Temperaturen an der Schnecke alle gleich eingestellt sind?

  • Die Prozessschwankung ist schon seltsam, wenn die RSP doch i.O. zu sein scheint.
    Ich bleibe bei der Lagerung antriebsseitig. :nerd_face:
    Dann würde ich vermuten, dass die Spitzen der Schneckengänge durch Kontakt an der Zylinderwand flach abgetragen sind.
    Falls Schmelze und/oder Prozess abrasiv wirken, dürften die Schneckengänge eher gleichmäßig abgetragen sein.

    Viel Erfolg auf jeden Fall bei der Fehlersuche! Wir freuen uns über Info, falls ihr den Übeltäter findet.

  • Oimi alles spricht dafür, dass die Rückstromsperre nicht wiederholgenau schließt ( Verschleiß im Meteringbereich und horizontale Verschiebungen der Massedruckkurve).

    Sicheres Schließen: Bei 50 bar Staudruck (vor der Schnecke) Dekompression auf 10% vom Plastifizierweg einstellen!

  • Moin.
    Das Granulat: Alles Neuware oder ist Rezyklat bzw. aufgearbeitetes Material dabei! Wie sind eure Toleranzen für die Qualität des Granulates.
    [Bei uns war für einen Kunststoff die Fließfähigkeit (die genaue Bezeichnung habe ich vergessen) von 20- 70 zulässig, vom Konzern vorgegeben!]

    Grüsse aus dem Harz

    Lutze

    Es sind auf dieser Maschine keine Rezyklate im Einsatz. Das Materialthema haben wir als direkte Ursache vorerst zurückgestellt da aktuellen Schnecke einzig ein PP mit einem MFR 28 ( Neuware ) genutzt wurde. Bei der Schnecke zuvor war dieses Material nicht im Einsatz sondern bei mehreren Artikelwechseln diverse Materialien.

  • Probleme in der Meteringzone sprechen für eine miese Entlüftung und schlechte Trocknung des Materials. Nicht nur Kunststoff mag kein Wasser und Sauerstoff bei hohen Temperaturen, auch Stahl mag es nicht, egal ob beschichtet oder nicht.

    Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass ihr auf dieser Maschine einen Artikel mit sehr langer Zykluszeit fahrt und die Temperaturen an der Schnecke alle gleich eingestellt sind?

    Nein. Nichts davon trifft zu. Kann sein das bei der vorherigen Schnecke bei den verschiedenen Artikeln der ein oder andere Fehler gemacht wurde. Aber bei der jetztigen Schnecke wurde nur ein Artikel / Material gefahren. PP / trotzdem getrocknet. Abfallendes Temperaturprofil eingestellt . Verweilzeit des Material ca 5-6 min.

  • Die Prozessschwankung ist schon seltsam, wenn die RSP doch i.O. zu sein scheint.
    Ich bleibe bei der Lagerung antriebsseitig. :nerd_face:
    Dann würde ich vermuten, dass die Spitzen der Schneckengänge durch Kontakt an der Zylinderwand flach abgetragen sind.
    Falls Schmelze und/oder Prozess abrasiv wirken, dürften die Schneckengänge eher gleichmäßig abgetragen sein.

    Viel Erfolg auf jeden Fall bei der Fehlersuche! Wir freuen uns über Info, falls ihr den Übeltäter findet.

    Momenten befürchte ich die Ursache für den neuerdings deutlich beschleunigten Verschleiß auch irgendwo in Richtung der Lagerung. Bisher haben wir und das Rohr und die Schnecke / RSP angesehen und haben den Rest vernachlässigt.

    ich bin auch gespannt was wir finden werden ......

  • Momenten befürchte ich die Ursache für den neuerdings deutlich beschleunigten Verschleiß auch irgendwo in Richtung der Lagerung. Bisher haben wir und das Rohr und die Schnecke / RSP angesehen und haben den Rest vernachlässigt.

    ich bin auch gespannt was wir finden werden ......

    Wäre zwar ungewöhnlich, aber könnte auch ein "krummer" Zylinder sein, wobei man dann auch Verschleiß oder Riefen auf der Zylinderwand sehen sollte.

    Das der Verschleiß zur Düse hin zunimmt, erklärt sich aus dem Abtrageffekt ganz gut: Einzugsnah minimaler verschleiß, dennoch werden Metallpartikel abgetragen und wandern in den Schneckengängen vorwärts. Dort wirken sie als Schleifmittel und verstärken in den vorderen Zonen den Abtrag.

    Steht euch eine andere Zylindergarnitur gleicher Parameter zur Verfügung, z.B. auf einer anderen Maschine? (Alternativ Leihgarnitur anfragen)

    Dann könntet ihr die mal über Kreuz tauschen und schauen, ob der Effekt weiterhin bestehen bleibt: die "fremde" Garnitur mit "seiner" Schnecke auf der Problemmaschine mit dem Problemprodukt als auch umgekehrt. Je nachdem, ob der Fehler bleibt, mit wandert oder verschwindet, sagt das viel über die Fehlerursache aus.

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!