PC Rohmaterial Haltbarkeit Lagerung bis Produktion

  • Grüezi miteinander,

    bin seit einiger Zeit an der Abklärung, wie lange PC Rohmaterial gelagert werden kann.

    Der Hersteller Chi Mei e m p f i e h l t , dass das Material nach 1 1/2 Jahren nach Herstellungsdatum verbraucht werden soll.

    Was mir der Hersteller/Vertrieb nicht sagen kann/will, ist was für negative Einflüsse mir in der Produktion anstehen, wenn ich das Material nach 4 Jahren verarbeiten tue.

    Spezifisch die Frage , was das für einen Einfluss auf die Fliessfähigkeit (MFI/MVR haben kann, kann mir niemand direkt beantworten.

    Da es ein leichtfliessender Typ ist, nehme ich an, dass Fliesshilfen eingesetzt werden, die ich vermute über die Zeit ausgasen.


    Was meint Ihr?


    Michael

  • Wir hatten in unserer Firma die gleiche Fragestellung schon bei anderen Materialien.
    Letztlich gibt ein Materialhersteller oft keine längere Haltbarkeit an, weil er die Lagerbedingungen nicht kennt.
    Aber wenn du luftdicht, trocken, kühl und lichtgeschützt lagerst, sollte das Material eigentlich problemlos auch länger verarbeitbar sein.

    Bzgl. Fließhilfen kommt es sicherlich auf den Typ an... evtl. kann petersj was dazu sagen. :trophy:

  • Wir haben dazu schon mal gesprochen .

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    Grundsätzlich kommt es auf die Art der Lagerung an. Trocken, kühl und vor Licht und Feuchtigkeit geschützt ist auf jeden Fall die sinnvollste Art der Lagerung.

    Es gibt selbstverständlich auch Compounds in denen Additive enthalten sind, die bei den Fertigteilen bestimmte Funktionen übernehmen sollen, wie z.B. Schmierstoffe (Silikonöle) Diese migrieren mit der Zeit an die Oberfläche - was sie auch sollen. Lagert man solche Materialien sehr lange , sind diese Bestandteile allerdings nicht mehr im Granulat sondern auf dem Granulat und im Sack oder Oktabin und nicht mehr in der zu erwartenden Menge im Granulat. Das bekommt man dann auch nicht wieder in geeigneter Weise im Endprodukt eingearbeitet.

    Wir kennen es auch alle, dass irgendwelche Kunststofffertigteile nach mehreren Jahren plötzlich ihren Geist aufgeben und plötzlich brechen oder zumindest spröde werden. Auch ein Kunststoff ist also nicht immer für die Ewigkeit gemacht wie z.B. eine Steinaxt. Ein Kunststoff kann also auch einer Oxidation unterliegen und auch durch andere Umwelteinflüsse mit der Zeit seine Eigenschaften verlieren. Das fällt aber beim Spritzguss oder bei der Extrusion evtl. noch nicht auf. Deshalb "prüfe, wer sich ewig bindet".

    Ein MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) geben wir in der Regel nicht an. Außer es handelt sich z.B. um ein mit bestimmten zeitabhängigen Additiven ausgerüstetem Material. Da sagen wir dann schon dem Kunden, dass er es "zeitnah" verarbeiten sollte.

    Ein Material, welches aber schon 4 Jahre irgendwo unter nicht idealen Bedingungen in der Ecke lag, würde ich nicht mehr unbedingt zu hochwertigen Funktionsteilen verarbeiten. Für Versuche auf einem Werkzeug vielleicht noch geeignet aber endlich nicht mehr zu allem geeignet.

  • Der Hersteller gibt folgendes an:

    Unter trockenen, normalen Temperaturen (≤30°C) ohne direktes Sonnenlicht wird empfohlen, unser finales Produkt innerhalb von anderthalb Jahren nach dem Produktionsdatum zu verwenden.


    Ich möchte immer noch gerne wissen, ob bei PC Granulaten Fliesshilfen eingesetzt werden, die nach dem Ablauf der Herstellerverbrauchsempfehlung negative Einflüsse beim Spritzgiessen verursachen.


    Besten Dank für Eure Hilfe

  • Moin,

    ich kann mich den Vorrednern nur anschliessen! Ich war nur in der Produktion, hatte mit Laboruntersuchungen wenig zu tun. Aber ich erinnere mich an einen Fall: Für die Ersatzteilproduktion eines uralten Teiles hat die Rohstoffbeschaffung über 18 Monate gedauert, weil der Kunststoff in dieser Zusammensetzung nicht mehr lieferbar war.
    Ich denke auch, dass mit dem MHD ist ähnliche wie bei Lebensmitteln: Bis zu diesem Zeitpunkt garantiert der Hersteller die beschriebenen Eigenschaften. Danach kann noch alles gut sein, muss aber nicht!

    Grüsse aus dem verschneiten Harz
    Lutze

  • Dazu kann ich nur sagen, dass es einige PC-Typen gibt, die entsprechende Fließhilfen beinhalten. Ich kann und darf aber nicht sagen, welche Fließhilfen das sind und in welchen Typen diese zur Anwendung kommen. Da diese aber in sehr geringen Mengen eingesetzt werden, ist ein "Verschwinden" dieser Additive nicht zu befürchten, zumal sie durch die Compoundierung eng in die Polymermatrix eingebunden werden. Erst wenn der Einsatz viel zu hoch erfolgt, kann es zur Migration kommen. Das ist dann aber nicht mehr rezepturkonform und kann als Produktfehler bezeichnet werden.

    Edited once, last by petersj (February 20, 2026 at 6:37 AM).

  • Was mir der Hersteller/Vertrieb nicht sagen kann/will, ist was für negative Einflüsse mir in der Produktion anstehen, wenn ich das Material nach 4 Jahren verarbeiten tue.

    Da würde ich grundsätzlich sagen:

    Der Kunde ist selbstständig dafür verantwortlich, dass und ob das Material für seine Produktion und sein Produkt geeignet ist.

    Wir als Hersteller können nur eine Empfehlung aussprechen.

  • Danke für die Ausführungen.

    Da es sich um ein OD Grade von PC für die Optical Disc Herstellung handelt, vermute ich, dass da etwelche Zusatzstoffe drin sind, die die Stabilität bei hohen Temperaturen und bessere Fliessfähigkeit verbessern. Die Zylindertemperaturangaben gehen bis 385 Grad C.

    Dieses Material wurde gewählt, da das Teil mit anderen PC Typen nicht füllbar war.

  • Huuh, 385° finde ich selbst für ein PC schon ganz schön gewagt. Bei extrem schnellen Zyklen vielleicht noch machbar, da die Belastung dann nicht so lange andauert. Auch wir verarbeiten CD-PC aber das bieten wir dem Material dann doch nicht an.

    Wie schon gesagt: Probiert es aus ob das Material noch die von euch erwarteten Eigenschaften erfüllt.

  • Wir haben nach Monaten Spannungsrisse, die bei mechanischen Tests anfallen.

    Es sollen auch Kundenteile wegen dem zurückgekommen sein.


    Darum suche ich nach einem plausiblen Grund, meine Anliegen anzubringen, dieses Material, das 'abgelaufen' ist, nicht mehr zu verwenden.

  • Wir haben nach Monaten Spannungsrisse, die bei mechanischen Tests anfallen.

    Es sollen auch Kundenteile wegen dem zurückgekommen sein.


    Darum suche ich nach einem plausiblen Grund, meine Anliegen anzubringen, dieses Material, das 'abgelaufen' ist, nicht mehr zu verwenden.

    Da wären wir wieder bei dem Thema der Lagerbedingungen: Im Kaltlager oder schlimmstenfalls "auf dem Hof" kann es durchaus durch Materialdegeneration durch Feuchtigkeit und Wärme, UV-Strahlung oder ähnliche Effekte kommen.

    Diese führen in aller Regel auf die ein oder andere Art zur Versprödung und Degeneration des Polymers

  • Wir haben nach Monaten Spannungsrisse, die bei mechanischen Tests anfallen.

    Risse und ähnliches bei PC kenne ich nur bei ungenügender Trocknung oder zu niedriger Formtemperatur! Meine Erfahrungen diesbezüglich sind aber schon über 35 Jahre alt! Wir haben die Teile für 30 Sekunden in "Tetra" gelegt, den genauen Namen kenne ich nicht mehr. Dann auf ein Stück Küchenrolle zum Trocknen. Nach 5 Minuten die Bruchprobe!

  • Bei Spannungsrissbildung spielen viele Faktoren eine Rolle. Es geht da weniger um ein Materialalter (vor dem Spritzen) als um die Werkzeugform und die Spritzparameter sowie die Medien mit denen das Fertigteil in Berührung kommt.. Dabei ist die Werkzeugtemperatur und der Werkzeuginnendruck sehr entscheidend. Wird mit niedriger Temperatur (auch Masse) und dann mit überhöhtem Druck die Form gefüllt und dann extrem verdichtet (Nachdruck), ist die Gefahr von Spannungsrissen deutlich größer. Und die bilden sich ja nicht nach 10 Minuten sondern erst nach geraumer Zeit. Man kann allerdings die (bei transparentem PC) Spannungen im Fertigteil sehr gut im polarisierten Licht erkennen, ob sich das aber als Spannungsrisse nach gewisser Zeit darstellt ist damit nicht gesagt.

    Edited 2 times, last by petersj (February 26, 2026 at 11:49 AM).

  • Wie gesagt: Vielleicht haben sich auch die Belastungen geändert oder die Medien, mit denen das Teil in Berührung kommt (beides sehr entscheidend). Das sollte ebenfalls entsprechend geprüft werden.

    Sollte sich an den Spritzparametern etwas geändert haben? Höherer Einspritzdruck, höherer Nachdruck, anderer Umschaltpunkt? Das müsste dann aber in eurer Protokollierung auffällig werden. Denn wenn ein Additiv zur besseren Fließfähigkeit abhanden gekommen ist, muss das an diesen Parametern sichtbar werden.

  • Frage:

    macht ihr keine Spannungsrisstests nach der Fertigung (war bei einem früheren Kunden sogar explizit gefordert) ?

    --> dabei erkennt man Spannungen mittels Polarisationsfilter oder mit Testflüssigkeit und UV-Licht ...

    so hättet ihr die Gewissheit, ob euere Fertigung okay ist !

    Ebenso mussten wir früher PC-Teile immer "Tempern" bevor diese ausgeliefert werden durften (120 -130 °C für 2-4 h)

  • Da könnte man sagen, dass das Material nicht mehr der Spezifikation entspricht. Man sollte mit dem Herstelle darüber sprechen und ggf. eine Reklamation eröffnen. Ob das allerdings bei 4 Jahre altem Material noch funktioniert ist fraglich.

    Du hast ja eigentlich erkannt, dass das Material nicht mehr so funktionier wie erwartet. Ich würde es dann nicht mehr benutzen.

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