Hallo in die Runde,
habe mal wieder ein aktuelles Teil auf dem Tisch, das mir Kopfschmerzen bereitet.
Ähnliche Teile hatten in der Vergangenheit nämlich immer wieder Entformungsprobleme gemacht (Hängenbleiben auf DS, Beschädigungen durch zu hohe Entformkräfte, ...).
Kennt jemand von euch eine Möglichkeit, vorab die Entformungskräfte abzuschätzen?
Bspw. über die Schwindungsergebnisse aus der Füllsimulation oder über Flächeninhalte und deren Entformschrägen.
Mir ist klar, dass hier sehr viele Faktoren reinspielen, die nicht berechenbar sind, aber derzeit bewerten wir die Entformbarkeit nur Pi*Daumen und aus der Erfahrung heraus.
Das ist irgendwie nicht befriedigend und schwer einem Auditor zu erklären.
Wäre schön, zumindest überschlagsweise die Entformkräfte düsen- und auswerferseitig berechnen und miteinander vergleichen zu können.
Habt ihr da einen Rechenansatz oder wie wird es bei euch gehandhabt?
Danke & Grüße!
Berechnung Halte- und Entformungskräfte
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Ich habe gegoogelt: Vielleicht hilft es: Ein PDF von der Uni Stuttgart!
Link: Entformungskräfte beim Kunststoffspritzguss
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HarzerLausbub interessante Datei, jedoch - falls ich es nicht überlesen habe - fehlt das entscheidende Thema *Verdichtung des Formteiles durch den Nachdruck* während der Schwindung (Überladungszustand). Diese Verdichtung schwankt nämlich mit den Viskositätsschwankungen:
- Material fließt leichter = Verdichtung ist höher
- Material fließt schwerer = Verdichtung ist niedriger
Damit diese Unterschiede sich möglichst nicht am Teil bemerkbar machen, ist es gängige Praxis, dass die Spritzgussteile mit "Überladung" ausgeformt werden. Somit wirken sich Viskositätsschwankungen nicht direkt als Unterladung (Einfall, Nicht voll, Maßschwankung usw.) am Teil aus . Bei komplexen Geometrien kann es schnell passieren, dass durch diesen notwendigen Nachdrucküberschuss die Teile in der Kavität zu sehr eingeklemmt werden und sich schwer entformen lassen.
dada dieses temporäre Problem lässt sich nur lösen, wenn mit Werkzeuginnendruck das Füllen der Form geregelt wird, technisch ist das seit über 20 Jahren bis zum Ende Nachdruck möglich. Auf diese Weise lässt sich sicherzustellen, dass ein Formteil weder überladen noch unterladen werden kann.
Entformungsverbesserung kann mittels Microstrahler der Entformflächen (hier in Düsenseite) erreicht werden (falls keine Hochglanzflächen).
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Ähnliche Teile hatten in der Vergangenheit nämlich immer wieder Entformungsprobleme gemacht (Hängenbleiben auf DS, Beschädigungen durch zu hohe Entformkräfte, ...).
Es ist auch sehr wichtig, dass die Werkzeuge stabil gebaut sind, damit sie beim Ausformen des Kunststoff-Teiles mit allen Elementen "stehen" bleiben und nicht nachgeben. Das Ergebnis wäre nämlich, dass im offenen Zustand des Werkzeugs sich die Verbiegung der Stahlgeometrien eine Einklemmwirkung auf's Teil haben, was das Entformen erschwert.
Experten sind sich angeblich einig, dass ca. 25% aller Werkzeuge zu schwach gebaut werden(?). Dieses kann dann auch eine der Ursachen sein, wenn die Innendruckkurve vor Öffnen des Werkzeugs nicht bis auf "0" abfällt.
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Danke für eure Antworten.
Tatsächlich sehen wir den Nachdruck sowie die Entform- bzw. Restkühlzeit auch als sehr wichtige Faktoren.
Zumal die Schwindung bei unzureichender Nachdruckwirkung ja besonders hoch ist.
Wie so oft im Spritzguss spielen auch hier extrem viele Faktoren zusammen und Pauschalaussagen sind schwierig.
Womit ich aber nochmal auf meine Ausgangsfrage zurückkommen möchte:
Gibt es einen Ansatz das Entformverhalten vorab zu berechnen/simulieren? ...oder arbeiten wir alle nur mit Bauchgefühl + Sicherheitsfaktor? -
Da habe ich eine schlechte Nachricht für dich. Sowas kann man noch nicht wirklich berechnen, weil viele Materialparameter nicht sauber vermessen sind.
Es gibt aber einen Ansatz des Kunststoffinstituts Lüdenscheid, was das versucht hat. Ob die Erfolg hatten oder nicht, kann ich nicht sagen. Habe mit denen sehr wenig zu tun.
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