Prozessgrafik Schulungsunterlagen

  • Hallo zusammen,

    ich bin gerade dabei interne Schulungsunterlagen zur Thematik rund um die Prozessgrafiken zu erstellen.
    Dabei musste ich feststellen, dass weder im Internet noch in den gängigen Lehrbüchern ausreichende Informationen vorhanden sind. Einzig die standardisierte Prozessgrafik mit einem idealisierten Ablauf konnte ausfindig gemacht werden, was dem praktischen Anspruch nicht gerecht wird.
    Jedoch sollte vor allem für Schulungsunterlagen praxisorientierte Grafiken dienen, die alltägliche Prozessfehler beschreiben.
    Ich werde jetzt dazu übergehen, die Grafiken selbst anzufertigen, was natürlich ein immenser Zeitaufwand ist. Beispiele an der Spritzdruckkurve für kalter Pfropfen, zu frühe/späte Umschaltung etc. heranziehen um die Thematik näher zu beschreiben.

    Auch die Trendgrafik, die mir einen entscheidenden Überblick über die Prozessstabilität gibt, wird viel zu selten herangezogen, wenn es um die Problemfindung geht. War mein Massepolster einigermaßen gleichmäßig, schwankt der Umschaltspritzdruck die Dosierzeit sehr stark? Alles Punkte, die einem Rückschlüsse auf die Ursache geben und zum Standardreportoire gehören sollten.

    Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass in der Produktion sehr selten bis gar nicht damit gearbeitet wird. Wie schaut das bei euch aus?
    Hat jemand zufällig hilfreiche Unterlagen zur Hand und würde die weitergeben?

    P.S.: gearbeitet wird mit Arburg und Engel und auf diese Steuerung werden die Unterlagen angepasst

  • Vielen Dank für die Grafiken.
    Damit lässt sich erstmal arbeiten.

    Was mir aufgefallen ist, dass dort der maximale Spritzdruck [Soll] eingefügt ist. In meinen Augen nicht besonders hilfreich, da ich auch ohne die Kurve sehe, ob beim Einspritzen der maximale zulässige Spritzdruck erreicht wird.
    Alternativ kann dazu die Spritzgeschwindigkeiten SOLL eingefügt werden, um zu sehen, wie die Maschine regelt und ob die jeweiligen Geschwindigkeiten auch tatsächlich erreicht werden.

    Was mich bisschen irritiert, ist die Grafik von der "eingefrorene Düse". Der Spritzdruck steigt enorm, während der Schneckenvortrieb kurz vor dem Erliegen ist. Warum ist dies nicht in der Schneckenvolumen Kurve ersichtlich? Da müsste die Kurve eigentlich nahezu horizontal weiterlaufen.

    Bei Rückstromsperre oder ausgewaschener Zylinder seht als Erklärung, dass das Massepolster gegen Null fährt. Das stimmt so nur bedingt, da bei einer defekten Rückstromsperre die Chancen sehr gering sind, dass das Massepolster kurz nach dem Umschaltpunkt noch nicht auf Null gefahren ist.
    Da es sich langsam gegen Null annähert und der Spritzdruck am Umschaltpunkt einen deutlichen Peek darstellt, gehört diese Grafik eher zu „USP zu spät“

  • zu 1.) Für unsere Leute stellte es sich als hilfreich heraus, den Spritzdruck SOLL darzustellen. So kann erkannt werden, ob es notwendig sein muss, den maximalen Spritzdruck zu erhöhen. Die Einspritzgeschwindigkeit SOLL ist in 90% aller Programme mit 40mm/s bzw. 19ccm/s standardisiert. Ist die Grafik für den Weg der Schnecke (violett) nicht gerade abfallend, kann auch von einem zu geringen Einspritzdruck ausgegangen werden.

    zu 2.) Durch die Kompressibilität der Masse kommt es tatsächlich zu einem Vorfahren der Schnecke. Da der max. Spritzdruck rel. hoch angesetzt ist, wird dieser von der Maschine hoch gefahren bis - wie hier zu sehen - der gefrorene Pfropfen aus der Düse geschossen wird. Würde der Pfropfen in der Düse bleiben, würde der Schneckenweg dann tatsächlich horizontal verlaufen.

    zu 3.) Hier kommen zwei Sachen zusammen. Zum einen ist die RSP nicht "defekt", sondern der Zylinder ist im ständigen Nutzungsbereich der RSP ausgewaschen. Dadurch fließt die Masse um die RSP zurück in die Schnecke. Dadurch werden die Spritzteile nicht ausreichend gefüllt. Was macht der geneigte Spritzgießer also? Er erhöht die Dosierung. Leider wird dieses dann in der Regel pauschalisiert, nach dem Motto: " ich gebe immer gleich 2cm³ auf die Dosierung oben drauf". Das kann je nach Mentalität und Persönlichkeit leider auch mal mehr sein. Dadurch entsteht dann der enorme Peak. Der Spritzgießer sollte dann auch den USP anpassen. Macht er aber leider nicht.

    Zugegeben: Nicht alles was wir für unsere Zwecke "überwachen" ist für einen Produktionsbetrieb als Überwachung sinnvoll. Wir sind eben ein Labor und spritzen von einer Charge selten mehr als 20-30 Schuss von einem Probekörpersatz. Man könnte ja bei einer ARBURG-Maschine auch mehr als eine oder zwei Grafiksätze mit verschiedenen Parametererfassungen laufen lassen.

    Edited 3 times, last by petersj (January 31, 2024 at 8:06 AM).

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