Schwindung PP nach Jahren?

  • Hallo zusammen.

    Folgendes: Wir fertigen eine Dose aus SAN, dazu den Deckel aus PP.

    Der Deckel ging immer recht stramm auf die Dose, was wegen der Passung und Haltekraft auch gewünscht war...

    Werkzeug, Material- und Verarbeitungstechnisch haben wir die letzten Jahre nix geändert, haben aber nun folgendes Problem:
    Die Deckel aus 2008 gehen dermaßen stramm auf die Dosen, daß es zu Reklamationen beim Kunden führt.

    Das komische: Ich hab aus 2006, 2007 und 2008 noch Musterteile. Alle gehen mittlerweile genauso stramm auf die Dose wie die nun Reklamierten aus 2008.

    Früher haben wir allerdings die Teile geliefert und Sie wurden zeitnah verarbeitet, heute stehen noch >Teile aus 2008 im Lager, die jetzt verarbeitet werden sollen, aber zu stramm auf die Dose gehen...

    gegenprobe der verschiedenen Musterdeckel mit den Musterdosen zeigen keinen Unterschied, alle Kombinationen gehen gleich schwer!

    Ist es möglich, daß mit den PP Deckeln wegen der langen Zeit im Lager etwas passiert ist? Irgendwas wie Nachschwindung über sehr langen Zeitraum oder so?

  • Ja, das ist durchaus möglich. Allerdings spricht man hier von Relaxation. Bedingt durch entsprechende Lagertemperaturen (40-50°C in Lagerhallen bei dem Wetter der letzten Tage sind keine Seltenheit) zieht sich der Kunststoff wieder weiter zusammen, um seine ursprüngliche Form zu erreichen. Simulieren kann man das, indem man ein Spritzteil bei 70° in den Backofen oder Trockenschrank legt. Nach einem Tag hat das Teil eine sehr andere Form.

  • petersj

    Hat man dann nicht das Problem das die Artikel nach der 70° Aufwärmung noch weiter schrumpfen?
    Ich verstehe das so, das sie bei 70° grösser werden.Dann kann das Personal sie bequem verarbeiten(nach abkühlung,sont leicht schwitzige Hände :grinning_squinting_face: ).
    ABER:was ist wenn sie wieder geschrumpft sind?Wird er in zukunft überhaupt eine Funktion habe,wenn er mal entfernt wird und wieder angebracht werden soll.

  • Mit der Temperatur von 70°C wird der Vorgang lediglich beschleunigt. Es ist auch nicht so, dass Material wirklich schrumpft, sondern die kompletten Maße verändern sich. Z. B. wird der Deckel dicker während der Umfang kleiner wird. Das hat nichts mit der Schwindung unmittelbar nach dem Spritzgußprozess zu tun. Durch die Verarbeitung werden z.B. Molekülketten gestreckt. Diese Streckung wird durch das Abkülen eingefroren. Erst bei höheren Temperaturen als Raumtemperatur und bei längerer Belastung mit dieser entspannen sich die Ketten und das Teil verformt sich. Theoretisch könnte die Masse sich zum Klumpen zusammenziehen. Aber nur theoretisch! Hintergrund für solch ein Verhalten sind oft zu niedrige Massetemperaturen. Der Kunststoff wird relativ kalt in eine Form gebracht die er nur noch durch hohen Druck erreichen kann. Er fließt also nicht mehr richtig. Mit höherer Masse und Werkzeugtemperatur bleibt der Thermoplast bis zur vollständigen Füllung fließend, wie er ja eigentlich sein soll. Kühlt er dann ab, bleibt er bis auf seine normale Schwindung in Form. Das fordert natürlich längere Zykluszeiten, die bei PP-Dosen natürlich nicht anerkannt werden.

    Qualität kostet Zeit!

  • Hier hab ich noch mal:
    Kopie aus Quelle: (Seite 10) http://www.ticona.at/at/hostaform_broschuere_deutsch.pdf

    Thermoplastische Kunststoffe sind viskoelastische
    Werkstoffe. Sie zeigen die als Kriechen bekannte
    Eigenschaft, sich zeit-, temperatur- und lastabhängig
    zu verformen. Nach Entlastung nimmt ein Formteil je
    nach Höhe und Dauer der Belastung seine ursprüngliche
    Gestalt ganz oder teilweise wieder an. Die rückstellbare
    Verformung entspricht dem elastischen, die
    bleibende dem plastischen Anteil. Dieses viskoelastische
    Verhalten muß bei der Dimensionierung von
    Formteilen berücksichtigt werden.

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