Lagerzeit von Probekörpern

  • An die, die Probekörper herstellen:

    Was mich interessiert, wie lange lagert Ihr eure Probekörper ( Zug.- und Schlagstäbe ) nach dem spritzen, bevor diese geprüft werden. Es gibt ja gerade bei den Verarbeitern immer mal wieder die Situation, dass ein Material geliefert wird, welches eigentlich schon gestern benötigt worden wäre. Wie händelt Ihr dieses dann?

  • Mich würde hierzu auch interessieren, ob zu jeder Produktion unabhängig von der Menge ein Probekörper erstellt wird.

    Und wie wird das bei Farbe gemacht? Ich denke da an die Eigenfarbe vom KS.

    Edited once, last by Kuka (September 28, 2009 at 11:52 PM).

  • Ich meinte die Materialhersteller, fertigen die zu jedem Material und Charge - unabhängig der Menge - ein Prüfkörper an?

    Ihr spritzt auch im Vorfeld Prüfkörper, als Materialeingangskontrolle? Bist du in einem "normalen" Spritzgußbetrieb?

  • Ja, wir spritzen Probekörper jeder Materiallieferung, denn:
    "gebranntes Kind scheut das Feuer!"

    Farben sind das nächste große Projekt, aber da wollen wir
    "das Kind nicht mit dem Bade ausschütten!"

    Aber das ist eine Gute Frage, wie händelt Ihr Kuka, oder auch andere das Thema Farbkonzentrat?
    Prüft Ihr da irgendwas? wenn ja, was und wann?

  • Quote

    Original von qs

    Aber das ist eine Gute Frage, wie händelt Ihr Kuka, oder auch andere das Thema Farbkonzentrat?
    Prüft Ihr da irgendwas? wenn ja, was und wann?

    Wäre eigentlich ne gute Umfrage :smiling_face:

    Material an sich - Sackware oder Oktabinware- , da nehmen wir nur Proben, welche wir dann einlagern. Auch Chargen abhängig. Siloware wir vor dem befüllen eine Probe genommen und nach dem befüllen.

    Wenn seitens des Kunden, dann eine Nachfrage kommt, dann wird das entsprechende Material von dem Zeitraum ins Labor geschickt und beim Materiallieferanten reklamiert.

  • Quote

    Original von Kuka


    Material an sich - Sackware oder Oktabinware- , da nehmen wir nur Proben, welche wir dann einlagern. Auch Chargen abhängig. Siloware wir vor dem befüllen eine Probe genommen und nach dem befüllen.

    Wenn seitens des Kunden, dann eine Nachfrage kommt, dann wird das entsprechende Material von dem Zeitraum ins Labor geschickt und beim Materiallieferanten reklamiert.

    Aha, wie lange lagert ihr die Proben und wieviel?

    Wenn eure Kunde nachfragen, wird der Grund wohl eine Reklamation sein, oder?
    Dann ist es aber zu spät! Das Material ist verarbeitet, der Kunde mit Teilen beliefert, die er u.U. nicht verwenden kann. Das sind eine Menge Kosten und Ärger, den man hätte vermeiden können.

    Klar kostet die Wareneingangsprüfung auch Geld, aber die macht sich meist schneller bezahlt, als man denkt.

  • Da hab ich wohl das Augenmerk auf die Proben gelegt.

    Die Proben werden in jedem Fall bis zur Auslieferung der Ware aufgehoben. Dann würde ich sagen, weil ich es nicht ganz genau weiß, bis die Garantiebestimmungen verstrichen sind. Da die verbauten Teile, im ganzen, unter Garantie/Gewährleistung vom Kunden an den Konsumenten stehen.
    Farben werden im Vorfeld bemustert, meist wird auch probiert wo die Sättigung liegt (wenn dies nicht bekannt).
    Nachdem eine Farbe erfolgreich bemustert und freigegeben ist, wird eigentlich nichts weiter unternommen. Vorsichtig gesagt, liegt es ja auch im Interesse des Farbenlieferanten, das die RAL und Konzentration passt um weiterhin auch Lieferant zu bleiben.

    Es ist richtig, dass eine vorherige Analyse der Materialien, in welcher Form auch immer, für alle Partein das Beste wäre. Dennoch kommt es so selten vor, dass die Gewichtigkeit dort nicht liegt.

    Wenn es doch zu einer Reklamation kommt, die Zweifelsfrei dem Material zugeordent werden kann, dann wird der Materialliferant mit ins Boot genommen.

  • Wenn dieser Ablauf bei Euch so funktioniert, ist es ja auch i.O.
    Es ist ja auch immer die Frage, was ich prüfe. Dies hängt ja auch vom Artikel oder der Produktpalette des Betriebes ab. Beispielsweise würde wohl niemand einen Zugversuch durchführen, wenn er mit dem Material Kugelschreiber produziert ( nichts gegen das Kugelschreibererzeugende Gewerbe :winking_face: )

    Mit einer vorhergehenden Prüfung, kann man sich seine Lieferanten aber auch "erziehen".
    Mit der Zeit verringern sich die zu Beanstandenen Lieferungen deutlich.
    Dies führte bei uns u.a. zu einem sehr guten Verhältnis zwischen uns und unseren Lieferantenstamm.
    Natürlich muss man dem Lieferanten auch sagen, womit man beim Material leben und was man nicht einsetzen kann.

    Miteinander Reden ist und bleibt da ganz wichtig, denn letztendlich haben Kunde und Lieferant das gleiche Ziel:

    Gute Geschäftsbeziehungen mit möglichst wenig Problemen!

  • War leider im Urlaub, kann daher erst jetzt als "Hersteller" dazu kommentieren.

    Wareneingang.
    Eingehende Waren für die Produktion bezeichnen wir ausschließlich als "Rohware". Auch Mahlgut. Grundsätzlich werden echte Rohwaren nur stichprobenartig geprüft, da diese in der Regel mit Werksprüfzeugnis oder einer entsprechenden allgemeinen Zusicherung des Herstellers geliefert werden. Darauf verlassen wir uns in Absprache mit dem Hersteller erst einmal. Bei Mahlgut wird eine Vollprüfung durchgeführt. Die Probekörper werden spritzfrisch (Lagerzeit jedoch mindestens 30min bei Normklima) geprüft. Einige Materialien benötigen eine längere Lagerzeit, diese ist dann spezifisch vorgeschrieben.

    Fertigwaren:
    Für alle Fertigwaren gibt es sogenannte Prüfpläne. Je nach Auftragsgrösse werden die notwendigen Prüfungen durchgeführt. Verständlich, dass ein 100tons Auftrag nicht alle Tonne voll ausgeprüft wird. Grundsätzlich wird jedoch direkt nach dem Anfahren eine entsprechende Ausprüfung durchgeführt. Lagerzeiten der Probekörper (auch zur Farbprüfung) wie oben. Da 100tons nicht als komplete Charge frei gegeben wird fallen in der Regel etwa alle 5tons Chargenprüfungen an. Jede Charge erhält eine eigene Chargennummer zu der dann die entsprechenden Prüfergebnisse hinterlegt werden. Alle Prüfergebnisse müssen natürlich der Spezifikation, die mit dem Kunden ausgehandelt wurde, entsprechen. So können evtl. einzelne Chargen gesperrt werden und kommen nicht zur Auslieferung. Auch bei den Farben werden mit dem Kunden entsprechende Toleranzen abgesprochen. Daher sollte jeder Kunde vor einem großen Auftrag entsprechende Versuche machen ob die Farben bei ihm auch entsprechend rauskommen.

    Wie gesagt: Einige Materialien können "spritzfrisch" geprüft werden, andere müssen längere Zeit gelagert werden. In den meisten Fällen gibt es für die Lagerzeiten entsprechende Normen (DIN ISO EN oder auch ASTM). Muss ein Produkt äußerst eilig zum Kunden (auf Verlangen des Kunden) verlangen wir vom Kunden eine Vorabfreigabe per Fax, in der uns bestätigt wird, dass er das Material erst nach unserer Freigabe oder auf eigenes Risiko verarbeitet.

    Sollte sich bei einer Rohware herrausstellen, dass sie nicht den Zusagen des Lieferanten entspricht, reklamieren wir sie entsprechend und werden neu beliefert. Solche Fehllieferungen werden dann praktisch mit unserem Fertigprodukt überprüft.

    Und dann gibt es noch Prüfungen die mit Langzeitlagerungen überprüft werden. Entweder der Kunde weiß um den Aufwand der Prüfungen und bestellt mit entsprechendem Vorlauf oder er muss sich auf eine entsprechende Lieferzeit einlassen. Oder wir uns unserer Produktion so sicher, dass wir auch ohne eine Langzeitprüfung liefern können.

    Edited once, last by petersj (October 12, 2009 at 1:49 PM).

  • [quote]Original von petersj
    War leider im Urlaub,

    Das tut mir leid für Dich, kenne das, hatte auch mal Urlaub, ist aber zum Glück schon länger her :winking_face:


    [quote]Original von petersj

    Wareneingang.
    Die Probekörper werden spritzfrisch (Lagerzeit jedoch mindestens 30min bei Normklima) geprüft. Einige Materialien benötigen eine längere Lagerzeit, diese ist dann spezifisch vorgeschrieben.

    Bitte welches Material kann man nach 30 Minuten prüfen? soweit ich weis, beträgt die Lagerdauer mindestens 16 h im Normalfall!?!?
    Ich meine um eine Tendenz zu sehen, kann man natürlich früher Probekörper testen, aber 30 min?

  • Nach Norm ist die Lagerung von min 16 Stunden richtig. Man kann aber als Produzent nach Produktionsbeginn nicht 16 Stunden warten, wenn die Werte zur Produktionssteuerung notwendig sind. Also fährt man umfangreiche Versuche, um eine Prüfzeitverkürzung zu erreichen. Hierbei hat sich bei uns gezeigt, das die Kristallisation nach 30min so weit abgeschlossen ist, dass sich an den mechanischen und farbmetrischen Werten praktisch nichts mehr ändert. So wird also "in Annäherung an die Norm" geprüft. Wichtig ist bei den Prüfungen, dass die Ergebnisse sicher in den Toleranzen liegen. Der Versuchsaufwand, dieses sicher zu stellen mit kürzeren Prüfzeiten ist für einen Spritzgießbetrieb bestimmt nicht durchführbar.
    Sollten sich bei Prüfungen Ungereimtheiten heraus stellen, wird selbstverständlich ein neues Muster geordert und neu geprüft. Es wird aber nicht "gesundgeprüft", sprich: wir ändern so lange die SG-Parameter bis etwas Vernünftiges heraus kommt. Damit würden wir uns ein Eigentor schießen. Die Parametersätze für jedes Material sind seit Jahren festgelegt und dürfen nicht geändert werden (ausser in minimalen Toleranzen). Damit wird sicher gestellt, dass ein Material sich immer gleich verhält.

  • Hallo Petersj,

    klingt alles sehr einleuchtend und vernünftig! Auch wir haben seit Jahren festgelegte Spritzparameter, diese dürfen auch nur geringstfügig geändert werden.

    Wenn wir, als Verarbeiter, einmal das Problem haben, das ein Material dringend benötigt wird (also dringernder als erst in 16 h :winking_face: )
    machen wir eine Vorabprüfung um zu sehen, in welche Richtung sich die Werte "entwickeln".
    Die aus diesem gefertigten Material erzeugten Produkte werden besonders beobachtet (Produktionsbegleitende Prüfungen). Erst nach der abschließenden Freigabe des Materials, werden auch die gefertigten Teile freigegeben.

    Das Ihr als Produzent nicht 16h warten könnt, ist schon klar, aber nach 30 Minuten wäre mir noch bange! Aber Ihr wisst sicher, was Ihr tut, da bin ich mir sicher ( 0 Ironie! )

  • Ja, es ist sicher so, dass wir ein Produkt recht häufig produzieren und damit viele verschiedene Chargen erzeugen. Damit erreichen wir wesentlich schneller ein reproduzierbares Ergebnis, als ein Spritzgießer, der nur dann ein Produkt prüfen kann, wenn er es bestellt und bezahlt hat. Selbstverständlich werden alle Produkte von einer speziellen Prüfgruppe ständig sogenannten Requalifikationsprüfungen unterzogen. Diese Prüfungen sind für die Datenblätter und die Produktsicherheit unerlässlich.
    Ein neues Produkt wird natürlich erst einmal schweinisch durchgetestet bis wir entsprechende Werte heraus geben.

    Edited once, last by petersj (October 13, 2009 at 8:40 AM).

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