Ringe fertigen ohne Bindenaht

  • Hallo zusammen,


    kann mir jemand behilflich sein, bzgl. einer Konstruktionsfrage:

    Es gibt ein neues Bauteil, welches ein Ring ist. Dieser Ring hat eine Mantelfläche, welche im verbauten Zustand dauerhaft sichtbar ist. Der Durchmesser ist ~ 240mm.
    (siehe Foto)

    Die Sichtfläche ist texturiert, so dass das Teil als matt-schwarzes Bauteil hergestellt werden kann . Das Material ist ein voreingefärbtes schwarzes ASA.


    image.png


    Wie kann man so einen Ring anbinden, ohne dass man Bindenähte bekommt?

    Bei einem 4-fach Stern habe ich ja 4 Bindenähte durch die Fließfronten, kann ich die vermeiden?


    Wenn noch Infos benötigt werden, bitte kurz melden, dann versuche ich diese zu beschaffen.


    Viele Grüße & Danke schonmal. :smiling_face:

  • Weiß nicht ob das mit Thermoplasten wirklich geht. Aber nur so als Idee: Ohne Bindenaht kann man ja nur füllen wenn man am ganzen Umfang anspritzt. Damit das geht ohne aus dem Ring eine Scheibe zu machen fällt mir nur ein Kaltläufer umlfd. parallel zur inneren Kante ein der wieder mit mehreren Armen gefüllt wird. Dann sind die Zusammenflüsse in diesem Ring. von dort hauchdünn und flach in den Artikel.

    Ob es sowas als Heißkanaldüse gibt? Technisch könnte ich mir das vorstellen. Mal schauen was die Profis hier sagen. Bei Thermoplasten bin ich das nämlich nicht.

  • Wie wichtelchen schon beschrieben hat, geht es bindenahtfrei nur über einen Schirmanguss. Extrem aufwendig und teuer.

    Andere Möglichkeit ist die variotherme Temperierung, um die Bindenaht zu kaschieren. Die gibt es in verschiedenen Varianten. Entweder über eine Heizpatrone, die den relevanten Bereich aufheizt oder über konturnahe Temperierung. Da stellt sich die Frage, wie viele Teile ihr pro Jahr produzieren müsst. Die Heizpatrone ist relativ langsam und benötigt kein dazugehörigen teures Temperiergerät. Eine konturnahe Temperierung hat den Vorteil, dass sie sehr schnell ist, kostet jedoch deutlich mehr und rechnet sich nur bei hohen Stückzahlen.

  • Morgen,

    Wie im vorherige Beitrag genannt, würde ich da auch zum Variothermen Prozess tendieren. Schau dir mal von der Firma Hotset das DH-System an, das könnte eine gute alternative zum teueren Temperiergerät sein. Wie haben das System, nicht im Einsatz, klingt aber vom Prozess nicht schlecht.

    Mfg

  • Guten Morgen,

    ja ein Schirm/Telleranguss wäre definitiv raus. Die Nacharbeit wäre hier ja auch sehr aufwändig.

    Je mehr Anbindungen ich habe, desto höher sollte ja auch die Fließfronttemperatur beim zusammentreffen sein. Also wäre eventuell ein 8-fach, statt 4-fach oder gar 16-fach am Besten?

    Grüße und eine gute Woche euch!

  • Moin,

    Bin auch beim Thema Variothermie. Habe mal einen Staubsaugergriff damit gefertigt, da ging es ebenfalls um Bindenähte. Hat auch gut geklappt.

    Ich denke das Thema "Entlüftung" hast du bestimmt auf dem Schirm, oder?

    Gruß Daniel

  • Ich denke das Thema "Entlüftung" hast du bestimmt auf dem Schirm, oder?

    Hi Daniel,

    ja, das haben wir auf dem Schirm und ist auch soweit im CAD umgesetzt.

    Bei Variotherm haben wir ja zwei Möglichkeiten:

    - 1. ) Variotherme Temperierung Wasser (https://www.hb-therm.com/fileadmin/user…-DE_2021-10.pdf)

    - 2.) Variotherme Temperierung Heizpatrone Standard oder e2mold-Einsatz (https://contura-mtc.de/e2mold/#)

    --> welche meint ihr hier?


    Bei Teilen mit matter Oberflächenstruktur und schwarzem ASA haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Bereiche mit Heizpatronen dann schnell "speckig-glänzend" aussehen. Somit war für uns klar, dass keine Heizpatronen eingesetzt werden. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren :winking_face:


    Grüße Tobias

    Edited once, last by Hanky (June 17, 2024 at 2:54 PM).

  • Hallo!

    Wir haben in der Vergangenheit sehr viel mit Variotherm Werkzeugen gearbeitet. Diese waren meistens über Wasser oder in Ausnahmefällen über Dampf betrieben. Bei Wasser Variothermie kann ich dir die Firma Cycletemp nur ans Herz legen. Die Geräte sind klasse.

    Aus der Erfahrung heraus würde ich dein Bauteil mit 3 Angüssen versehen und das Bauteil vollflächig sichtseitig mit Variotherm betreiben. Also eine Ringkühlung außen herum die ich dann Variotherm betreiben kann.

    Somit solltest du keinen Probleme bekommen mit patrieller Speckigkeit bei einem matten Bauteil und die Maßhaltigkeit sollte auch gegeben sein.


    Liebe Grüße

  • Moin,

    wir haben das Projekt damals mit Wenz gemacht. Als Temperiergerät wurde Regloplas verwendet und das Medium war Wasser. Das Werkzeug war mit "Contura" Einsätzen ausgelegt, damit wir möglichst nah an der WZ-Oberfläche die Temperatur hatten. Wz-Innendruck war auch im Spiel, da war ich aber mit der Technik noch nicht so vetraut.

    Schläuche und Verteiler waren recht massiv und die Wege von der Heiss & Kaltwasserseite zum Werkzeug waren sehr kurz, um den hohen Volumstrom zu erreichen damit man so schnell wie möglich von "heiss" auf "kalt" umstellen konnte. Schläuche von der Maschine zur Wasserleitung können ein Thema sein, da die Geräte ja das "heiße" Wasser aus dem Werkzeug zurück in den Kühlkreislauf drücken. Alles lösbare Themen.

    Ist halt absolute Energierverschleuderung :winking_face:

    Gruss

  • Schläuche von der Maschine zur Wasserleitung können ein Thema sein, da die Geräte ja das "heiße" Wasser aus dem Werkzeug zurück in den Kühlkreislauf drücken. Alles lösbare Themen.

    Ist halt absolute Energierverschleuderung :winking_face:

    Das ist richtig. Deshalb empfehle ich die Anlage von Cycletemp wenn es Variotherm werden soll. Erstens hat man nur ein Gerät in dem alles verbaut ist und nicht mehrere einzelne Geräte wie bei Regloplas oder HB-Therm und zweitens ist bei dem Gerät ein Wärmespeicher mit eingebaut. Das Gerät nutzt also das heiße Rücklauf Wasser und heizt das wieder auf ohne es in den Kalt-Kreislauf zu drücken und Energie zu verlieren. Wir haben bei uns mit einer 36KW Anlage von Cycletemp eine 80KW Anlage von Regloplas ersetzt.


    Energiebatterien gibt es zwar auch bei HB-Therm und Regloplas aber die Bauform, das Handling und die Bedienung bei Cycletemp ist besser.

    Und nein ich arbeite nicht für Cycletemp. :grinning_face_with_smiling_eyes:

    Gruß

  • Noch eine Anregung:

    Man sollte vor einer Materialbestellung und einem Werkzeugbau auch einmal mit dem/den Materiallieferanten bzw. Hersteller(n) sprechen und die sich erstellende Problematik erörtern. Denn ich weiß, dass es auch Materialien geben wird, die eine deutliche Reduzierung der Sichtbarkeit und Bildung von Bindenähten bewerkstelligt. Das ist zwar u.U. eine gewisse Entwicklungsarbeit, kann aber die Produktion deutlich einfacher gestalten.

  • Ich denke das Thema "Entlüftung" hast du bestimmt auf dem Schirm, oder?

    :thumbs_up::exclamation_mark:Wichtiges Thema, wird allgemein unterschätzt. Dazu gehört zuerst auch das optimale Entgasen beim Plastifizieren, damit sind die Ausgasungen an der Fließfront minimiert!

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